11.07.2021 17:00 |

Wirte-Sprecher Rainer:

„Das Land Tirol ist zu klein für Bär und Wolf“

Alois Rainer von der „Post“ in Strass im Zillertal macht sich als Sprecher der Wirte ernsthafte Sorgen um Tirols Almwirtschaft und Berggastronomie. Warum, das erklärt er im „Krone“-Interview.

„Krone“: Herr Rainer, wie bewerten Sie als Branchensprecher der Tiroler Wirte die aktuelle Diskussion rund um Bär und Wolf und deren absoluten Schutz?
Alois Rainer: Ich sorge mich sehr um unsere Almwirte und Berggastronomen. Denn eines ist klar: Kein Gast hat Lust auf einen Spießrutenlauf zwischen Elektrozäunen und zähnefletschenden Herdenschutzhunden. Viele meiner Kollegen haben über Jahrzehnte intensiv gearbeitet und diese Arbeit wird durch die aktuellen Entwicklungen extrem gefährdet.

Die Vertreter von WWF und Co. betonen aber doch immer wieder, dass Bär und Wolf keine Gefahr für die Menschen darstellen und nur besserer Herdenschutz gemacht werden müsste. Können Sie das nachvollziehen?
Ich bin nicht nur Wirt, sondern auf einer Landwirtschaft aufgewachsen und habe daher viel Zeit mit unseren Tieren auf der Alm verbracht. Großraubtiere sind nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für alle Menschen, die sich in den Bergen, auf den Almen und den Wäldern bewegen, eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Zudem würde das Ende der Almwirtschaft auch das Ende unserer über Jahrtausende geformten Kulturlandschaft bedeuten – das ist nicht nur eine schleichende Enteignung unserer Almbauern, sondern ein echtes Problem für die heimische Tourismuswirtschaft.

Was wären Ihrer Ansicht nach die Konsequenzen einer unkontrollierten Rückkehr von Bär und Wolf nach Tirol?
Unsere international einzigartige Berggastronomie würde massiven Schaden nehmen, zumal auch Herdenschutzmaßnahmen für viele Gäste abschreckend wirken. Herdenschutz, speziell mit Herdenschutzhunden, ist bei uns nicht möglich. Diese Riesenhunde sind sogar noch gefährlicher als Wölfe – ich möchte keinem 70-Kilo-Hund auf der Alm gegenüberstehen, der mich für einen Eindringling hält und seine Herde schützen muss. Ganz scharf reagieren die Herdenschutzhunde übrigens, wenn man in Begleitung eines Hundes unterwegs ist.

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Jeder Wolf und jeder Bär, der bei uns lebt, wird zwangsläufig zum Problemwolf bzw. Problembär – und damit zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem.

Alois Rainer

Müssen wir dann in Zukunft den Einheimischen und Gästen verbieten, mit ihrem Hund wandern zu gehen?
Die Befürworter von Bär und Wolf und die Kämpfer für deren absoluten Schutz meinen immer, es müsse auch in Tirol Platz für diese Tiere geben! Es gibt in Tirol faktisch keine Alm, durch die nicht zumindest ein Wanderweg führt. Bei unserer Bevölkerungsdichte und der touristischen Nutzung ist es faktisch ausgeschlossen, dass Bär und Wolf ohne Menschenkontakt existieren können. Diese schlauen Tiere werden sich daher auch in unserer Nähe aufhalten – da nützen weder Gummigeschosse noch eigene Wolf- und Bärenbeauftragte etwas. Jeder Wolf und jeder Bär, der bei uns lebt, wird zwangsläufig zum Problemwolf bzw. Problembär – und damit zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem. Hier leichtfertig zu agieren, ist ein Spiel mit dem Feuer und dem Leben von anderen Tieren bzw. Menschen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen nicht mehr zu lange zuwarten und handeln, bevor etwas Schlimmes passiert.

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Wir sind ja nicht Alaska.

Alois Rainer

Könnten die Großraubtiere nicht auch zum touristischen Asset in Tirol werden?
Wir sind ja nicht Alaska. Tirol ist weltweit bei unseren Gästen für seine Sicherheit bekannt. Dieses Asset dürfen wir nicht wildbiologischen Versuchen opfern. Wer möchte denn schon in ein Land auf Urlaub fahren, in dem man Kinder nicht guten Gewissens im Wald spielen lassen kann?

Sie malen aber schon ein düsteres Szenario, oder?
Leider, denn wir hätten aktuell beileibe Besseres zu tun, als uns mit der Rückkehr von gefährlichen Raubtieren in unseren Siedlungsraum tagesfüllend zu befassen. Aber: Jetzt sind es Schafe und Rinder – und was kommt als Nächstes? Ich bin bäuerlich geprägt. Als Bauer kümmert man sich um seine Tiere, man kennt seine Tiere und hat eine enge Beziehung. Daher volle Solidarität mit unseren Bauern, weil die Räume in den Alpen schlicht zu eng für ein gedeihliches Miteinander sind. Diese Tiere haben bei uns keinen Platz, nicht als Besucher und schon gar nicht als Dauergäste!

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Den Kampf gegen Bär und Wolf müssen wir nicht in Brüssel oder Wien führen, denn dort ist er nicht zu gewinnen, sondern in Tirol.

Alois Rainer

Wenn Sie in der Sache entscheiden müssten: Wie würden Sie vorgehen?
Wir müssen die Fakten nicht nur erkennen, sondern auch rasch Maßnahmen setzen. Den Kampf gegen Bär und Wolf müssen wir nicht in Brüssel oder Wien führen, denn dort ist er nicht zu gewinnen, sondern in Tirol.

Abschließende Frage: Wie laufen die Geschäfte in der Tiroler Gastronomie?
Der Start nach dem Wiederaufsperren war sehr gut, in den ersten zwei Wochen war sehr viel los. Jeder wollte endlich wieder einmal ins Wirtshaus. Das war gleich wie bei den Friseuren. Danach gab es ein kleines Tief. Doch seit Gruppenveranstaltungen möglich sind, läuft es wieder gut. Das kann die Stadt-Gastronomie derzeit leider nicht behaupten. Denen fehlt zum einen der internationale Gast, zum anderen sind doch noch viele Betriebe im Homeoffice. Und das wirkt sich natürlich auf das Mittagsgeschäft aus.

Markus Gassler
Markus Gassler
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