Unfallserie

Selbstüberschätzung holt Paragleiter vom Himmel

Tirol
24.06.2021 10:00
Dramatisch gehäuft hat sich zuletzt die Zahl schwerer Unfälle mit Paragleitern in Tirol. Zwei Tote und zahlreiche Schwerstverletzte mit Langzeitfolgen sind die vorläufige Bilanz im Juni. Selbstüberschätzung gilt als eine der Hauptursachen für die Unglücke, vielen Gleitschirmfliegern fehlt nach dem Lockdown das Training.

„Erst am Dienstag wurde ein Paragleiter mit schweren Becken- und Wirbelsäulenverletzungen bei uns eingeliefert“, sagt Prof. Rohit Arora, Direktor der Orthopädie und Traumatologie an der Uniklinik Innsbruck. In den vergangenen drei Wochen hatten bereits zwei Flugsportler Querschnittslähmungen nach Unfällen davongetragen. Ein Deutscher (54) und ein Einheimischer (55) starben in Heinfels und in der Wildschönau. "Es passiert derzeit eindeutig mehr als üblich, zudem handelt es sich meist um Patienten mit Polytraumata.

Vielen fehlt Übung
„Selbstüberschätzung könnte ein Grund für die Unfälle sein“, meint Sepp Himberger von der Flugschule Kössen. Nach der Corona-Pause fehle es einigen an Übung, aktuell gebe es zudem oft anstrengende Wetterbedingungen. Ähnlich wie die Bergsteiger scheinen die Paragleiter nach Ende der meisten Coronamaßnahmen derzeit wie besessen zu sein, wieder ihren Sport auszuüben. „Kürzlich habe ich eine Gruppe von Dänen wegen der heiklen Windverhältnisse vor Flügen gewarnt“, erzählt Himberger. Die Antwort kam postwendend und glasklar: „Wir sind nicht Tausende Kilometer angereist, um am Boden zu bleiben!“ Himberger hat für diese Einstellung einen Vergleich aus der Bergszene: „Wer zum Everest reist, will hinauf, egal, bei welchen Bedingungen.“

(Bild: ZOOM.TIROL)

Rechtliche Möglichkeiten, übermütigen Paragleitern bei schwierigen Verhältnissen quasi die Flügel zu stutzen, gibt es nicht. Solche wären laut dem Experten in der Praxis auch gar nicht exekutierbar.

Gefahr Dehydrierung
„Nach Öffnung der Grenzen ist einfach mehr los“, analysiert auch Maria von der Flugschule Wildschönau. Auch sie meint, dass menschliches Versagen bzw. Selbstüberschätzung hinter sehr vielen Unfällen stehen. „Einige Leute fliegen leider selbst bei Bedingungen, bei denen man einfach nicht mehr starten sollte.“

Überdies spiele die Hitze eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zu wenig Flüssigkeitszufuhr dehydriere, „da spielt dann der Kopf nicht mehr mit“.

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