Keine Ausreden mehr

Unter dem Schnitt: Pisa-Debakel trifft Tirol besonders hart

Tirol
03.02.2011 09:20
Das Pisa-Desaster ist für Tirol besonders hart. Bei den bisherigen Studien redeten sich die politischen Verantwortlichen auf den Osten – vor allem Wien – aus, der den Österreich-Schnitt aufgrund des hohen Ausländeranteils drücken würde. Bei der aktuellen Pisa-Studie wollten sie es genau wissen. Das Ergebnis ist erschreckend: Tirol ist schlechter als der Österreich-Schnitt!

"Unsere Hoffnungen, dass Tirol besser als Gesamtösterreich abschneiden würde, haben sich nicht erfüllt", gestand Landesrätin Beate Palfrader am Mittwoch zerknirscht ein. Das propagierte West-Ost-Gefälle ist von der Landesregierung selbst als falsch entlarvt worden. 60.000 Euro kostete die Einzelauswertung. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ob Mathematik, Naturwissenschaft oder Lesen – Tirols Schüler sind schlechter, als das ohnehin schon schlechte Österreich-Ergebnis.

Ende des "VP-Bildungsmärchens"
Die Opposition und sogar der VP-Koalitionspartner SPÖ sprechen vom Ende des "VP-Bildungsmärchens" und fordern nun Taten. Die Landesrätin präsentierte ein erstes Maßnahmenpaket: Mehr Sprachförderung bereits im Kindergarten, mehr Geld zur Verbesserung der Lesekompetenz, Ausbau von ganztägigen Schulformen zusammen mit dem Bund und Qualitätsmanagement an den Schulen.

Sprachpädagogen in Kindergärten
Derzeit sind das noch Worthülsen, die erst mit konkreten Inhalten gefüllt werden müssen. Der Ansatz im Kindergarten ist laut Pisa-Experte Günter Haider offenbar richtig: "Die Sprach- und Lesekompetenzen werden vor allem vom dritten bis zum achten Lebensjahr erworben." Und dafür will Palfrader mehr mobile Sprachpädagogen durch Tirols Kindergärten schicken.

Grüne für mehr Nachmittagsbetreuung
Gebi Mair von den Grünen sieht das kritisch: "Die haben so wenig Zeit für die Kinder, dass sie nur Defizite feststellen können, aber nicht handeln." Daher fordert er den Ausbau von Nachmittagsbetreuung. Das brächte den Pädagogen mehr Zeit mit den Schülern und dafür bräuchte man auch den Bund nicht.

von Manuel Diwosch, Tiroler Krone

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