31.05.2021 07:30 |

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So gefährlich ist Atomkraft: Die größten Unfälle

In Grenznähe tickt die Strahlenbombe Krško, immer mehr unterschreiben die Petition zur AKW-Abschaltung. Dass der Uralt-Reaktor mitten im Erdbebengebiet kein fernes Risiko ist, zeigt ein Blick in die Geschichte. Die Liste an Kraftwerksunfällen ist lang, wir geben einen Überblick über die größten Katastrophen.

Ob technisches Gebrechen oder menschliches Versagen - Unfälle sind in Atomkraftwerken keine Seltenheit. „Es kann immer passieren, dass Fehler gemacht oder kritische Stimmen nicht rechtzeitig gehört werden“, betont Atom-Experte Nikolaus Müllner.

Die Steiermark sitzt demnach auf einem atomaren Pulverfass. Österreich ist umgeben von Kernkraftwerken. Der grenznahe Uralt-Reaktor von Krško ist ein gefährlich strahlendes Beispiel. Wie oft und wie schnell etwas passieren kann, zeigt ein Blick in die Geschichte der Atomkraft.

Einen Überblick über die Bandbreite an Unfällen gibt die internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES: International Nuclear Event Scale). Wie schwer der Atomunfall ist, lässt sich auf einer Skala von eins bis sieben ablesen.


INES-Skala: Wie schwer ist ein Atomunfall
INES 7 = Katastrophaler Atomunfall
Infolge einer meist kompletten Zerstörung der Anlage bzw. des Reaktorkerns kommt es zu einer Freisetzung von mehr als 10.000 Terabecquerel radioaktiven Materials. Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in weitem Umfeld und gesundheitliche Spätschäden über große Gebiete.

INES 6 = Schwerer Atomunfall
Nach einer Zerstörung von Schutzbarrieren und/oder Reaktor kommt es zur Freisetzung von 1.000 bis 10.000 Terabecquerel radioaktiven Materials. Ein voller Einsatz der Katastrophenschutzmaßnahmen ist nötig.

INES 5 = Ernster Atomunfall
Durch schwere Schäden an Schutzbarrieren und/oder Reaktorkern werden einige 100 bis 1.000 Terabecquerel radioaktiven Materials freigesetzt. Es werden mehrere Todesfälle infolge einer Strahlenexposition verzeichnet und einzelne Katastrophenschutzmaßnahmen müssen eingesetzt werden.

INES 4 = Atomunfall
Nach Schäden am Reaktorkern/an den radiologischen Barrieren kommt es zu einer Freisetzung von einigen 10 bis 100 Terabecquerel radioaktiven Materials und zu einer schwere Kontamination des kerntechnischen Personals, sowie mindestens einem Todesfall durch Strahlenexposition.

INES 3 = Ernster Störfall
Durch einen weitgehender Ausfall der gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen werden sehr geringe Mengen radioaktiven Materials freigesetzt, die zu einer schwere Kontamination oder akuten Gesundheitsschäden des kerntechnischen Personals führen.

INES 2 = Störfall
Es kommt zu einem begrenzten Ausfall der gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen.

INES 1 = Störung
Es kommt zu einer Abweichung vom normalen Betrieb der Anlage.

INES 0 = Ereignis ohne sicherheitstechnischer Bedeutung
Keine oder nur sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung.

Nicht überraschen mag, dass die Tragödien von Tschernobyl und Fukushima auf der höchsten Stufe stehen, als „katastrophaler Atomunfall“ werden sie auf der INES-Skala eingestuft. Mehr als 10.000 Terabecquerel radioaktiven Materials setzen sich nach einer kompletten Zerstörung des Reaktors in dieser Größenordnung frei. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt sowie Spätfolgen reichen weit über die Landesgrenzen hinaus.

Den nächsten Unfall in Krško abwenden
Dass es oft nicht bei einer Katastrophe bleibt, zeigt ein Blick nach Südfrankreich. 2008 ereigneten sich dort innerhalb kurzer Zeit drei Reaktor-Unfälle. 18 Kubikmeter mit Uran belasteter Flüssigkeit liefen aus dem AKW Tricastin aus.

Zu einem GAU kam es fast 2006 im schwedischen Forsmark. Nach einem Kurzschluss startete das Notkühlsystem nicht - auch das Steuerungssystem war ausgefallen. Bereits 64 Jahre her, aber umso einschneidender war ein laut INES-Skala „ernster Atomunfall“ im heutigen Russland. Rund 1700 Kilometer östlich von Moskau explodierte ein Tank mit hochaktivem flüssigen Atommüll - und verseuchte eine Fläche so groß wie ein Viertel Österreichs. Rund 270.000 Menschen litten unter der freigesetzten Strahlung.

Die Liste ließe sich noch sehr lange fortsetzen. Wie schwer ein Unfall im Schrottmeiler Krško ausfallen würde, will wohl niemand erleben. Das zeigt auch die Petition der Umweltorganisation Global 2000 zur Abschaltung des slowenischen AKW. Mehr als 37.000 Menschen haben bereits unterschrieben. Noch kann man digital seine Stimme erheben.

Online-Petition von Global 2000 hier unterzeichnen.

Birgit Samer
Birgit Samer
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