17.05.2021 17:00 |

Laut den Experten

Einsamkeit bei Senioren stieg mit jedem Lockdown

Mangels Angeboten fehlt Pensionisten zunehmend der Kontakt zu Gleichaltrigen. Die Corona-Pandemie verschärfte die Situation. Geht es nach Experten, steckten Ältere lediglich die Anfangszeit der Krise leichter weg.

„Für uns Senioren ist es eine ungute Zeit.“ Mit diesen einleitenden Worten meldete sich die Innsbruckerin Frau E. bei der „Tiroler Krone“. Die 80-Jährige spricht damit wohl vielen aus der Seele, denen es ähnlich ergeht wie ihr. Denn die Tirolerin vermisst aufgrund der Pandemie den Kontakt mit Gleichaltrigen. „Mein Mann ist vor sieben Jahren verstorben, die Kinder leben in Wien“, sagt sie nachdenklich. Da E. noch in den eigenen vier Wänden wohnt und alles selbst erledigt, ist sie für ein Seniorenheim „noch nicht bereit“, wie sie sagt. Das Vereinsleben steht wegen dem Coronavirus noch immer still, daher macht sich Einsamkeit breit.

„Sich mit anderen über ,Krone’ austauschen“
Was die Seniorin konkret vermisst, ist, „sich mit anderen über das Tagesgeschehen auszutauschen, das in der ,Kronen Zeitung’ steht, oder sich über Kunst und Kultur zu unterhalten“. Die Tirolerin schaltete dafür sogar eine Zeitungsannonce. „Es meldeten sich zwar einige Männer, aber die wollten nur gepflegt werden. Und einen neuen Partner suche ich ja auch gar nicht.“

Ein Angebot, das Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenbringt, vermisst die Tirolerin. Und vermutet, dass es mehreren Altersgenossen so geht. „Man muss nur mit einem wachsamen Blick durch die Kaufhäuser gehen. Zahlreiche Seniorinnen und Senioren schlendern dort ohne Kaufabsicht herum, weil sie halt auch einsam sind.“

„Senioren kamen mit dem Beginn der Pandemie am besten zurecht“
Aufgrund der Schilderungen von Frau E. hat die „Tiroler Krone“ beim Tiroler Landesverband für Psychotherapie (TLP) nachgefragt, wie es den betagteren Tirolern prinzipiell geht. Laut Bernhard Hungsberger, selbst Psychotherapeut und Mitglied im Vorstand, „haben sowohl mehrere Studien als auch meine Erfahrungen gezeigt, dass Senioren mit dem Beginn der Pandemie am besten zurechtkamen“. Durch Erfahrungen aus früheren Krisen – wie zum Beispiel der Nachkriegszeit – „verfügten sie über ein großes Maß an Resilienz“.

Mit jedem weiteren Lockdown hätten Hungsberger und seine Kollegen jedoch festgestellt, „dass Senioren zunehmend über Einsamkeit klagten. Bei einigen führte das auch in die Depression. Andere wiederum bekamen Angst, dass sie ihre letzten Lebensjahre nicht mehr so nützen können, wie sie sich das erhoffen“.

270 Psychotherapeuten in Tirol
Die Innsbruckerin ist also definitiv nicht alleine mit dem Problem der Vereinsamung. Doch es gibt Hilfe. Für jene, denen die Einsamkeit auf die Psyche schlägt, „gibt es tirolweit rund 270 Psychotherapeuten“, rechnet Hungsberger vor. Mit ihnen in Kontakt treten kann man etwa über den Tiroler Landesverband für Psychotherapie (TLP) oder den Verbund Außerstationärer Gerontopsychiatrischer Einrichtungen Tirols (VAGET).

Volkshilfe Tirol und Seniorenbund helfen
Seniorinnen und Senioren, die mehr Kontakte haben wollen, können sich etwa an die Volkshilfe Tirol wenden. Diese führt landesweit mehrere Seniorenclubs, die als Treffpunkte und Orte der Begegnung für die älteren Mitbürger eingerichtet sind. Zahlreiche Aktivitäten bietet auch der Tiroler Seniorenbund, über die sich in der Folge eventuell die eine oder andere Freundschaft ergibt.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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