16.05.2021 14:15 |

Appell an Vernunft

In Tirol wird es durch den Rad-Boom ziemlich eng

Nicht nur E-Bikes, sondern auch Rennräder sind derzeit in den Sportgeschäften des Landes echte Verkaufsschlager. Die beiden Ex-Radprofis Thomas Kreidl und Thomas Rohregger sprachen mit der „Krone“ über die Auswirkungen.

Die Corona-Krise löste einen unglaublichen Rad-Boom aus. Auch in Tirol explodierten die Verkaufszahlen. „2020 war mein stärkstes Jahr“, teilt Thomas Kreidl mit. Der Ex-Radprofi führt in Schwaz seit mittlerweile mehr als 20 Jahren ein Radgeschäft.

Auch die Kundschaft hat sich im Laufe der Jahre geändert. „Früher hat es kaum Quereinsteiger gegeben, die Leute haben sich beim Material tipptopp ausgekannt. Heute muss ein Rad vor allem gut ausschauen“, schildert der 53-Jährige.

In der Pandemie entdeckte laut Kreidl eine neue Zielgruppe das Rennrad. „Siebzig Prozent der Räder haben Frauen gekauft – und zwar überwiegend junge Frauen.“

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Als ich mit dem Sport angefangen habe, war ich alleine unterwegs.

Thomas Rohregger

Der Kauf-Rausch schlägt sich selbstverständlich im Geschehen auf den Tiroler Straßen nieder. „Gefühlsmäßig hat sich die Zahl der Rennradfahrer verdreifacht“, meint Kreidl. Ex-Ö-Tour-Sieger Thomas Rohregger nickt: „Als ich mit dem Sport angefangen habe, war ich alleine unterwegs. Jetzt sind am Wochenende Karawanen auf den Straßen.“

Druck auf der Straße
Das Problem? Der Straßenverkehr hat generell stark zugenommen. Mehr Motorräder, mehr Pkw, mehr Busse, mehr Lkw. „Es gilt das Gesetz des Stärkeren. Und da ist der Radfahrer auf jeden Fall das schwächste Glied“, meint Rohregger. Kreidl sagt: „Wenn man es halbwegs ruhig haben will, sollte man Sonntagvormittag fahren. Auf Hauptstraßen finde ich es schon gefährlich.“

Eine Situation, die in der Heimat der Rad-Helden Steinmayr, Wechselberger und Totschnig auch im Nachwuchs Auswirkung hat. „Das Rad ist für Kinder das erste mobile Fahrzeug. Eltern schicken ihre Kinder aber lieber auf den Fußballplatz, als sie auf der Straße fahren zu lassen“, weiß Kreidl als ehemaliger Obmann eines Radvereins.

Für die beiden Rad-Experten ist klar, dass nur ein großzügiger Ausbau der Infrastruktur eine Lösung bringt. Kurzfristig appellieren beide an die Vernunft. „Wichtig ist die gegenseitige Rücksichtnahme und nicht das Beharren auf sein Recht“, betont Rohregger. Kreidl ergänzt: „Als Radfahrer sollte man lieber mal früher bremsen.“

Claudia Thurner und Norbert Niederacher, Kronen Zeitung

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