11.05.2021 08:00 |

Zunehmende Kritik

Streit um neuen Standort für das Sattler-Panorama

Seit bekannt wurde, dass die berühmteste Ansicht Salzburgs demnächst vom Panoramamuseum ins ehemalige Barockmuseum übersiedeln soll, gehen die Wogen hoch. Kunstexperten und Fremdenführer laufen Sturm gegen den geplanten Ortswechsel, der Museums-Direktor Martin Hochleitner verteidigt das Projekt.

Es zählt zu den wertvollsten Objekten des Salzburg Museums und zu den Lieblingsbildern der Stadtbevölkerung: das monumentale Sattler-Panorama, das seit 2005 im Panoramamuseum am Residenzplatz bestaunt werden kann. Damals war man froh, endlich einen „dauerhaften Standort“ gefunden zu haben. Rund 500.000 Euro Spenden flossen im Rahmen der Aktion „Rettet das Sattler-Panorama“ in die Restaurierung.

Doch jetzt ist wieder alles anders. Im Zuge einer Salzburger Museumsrochade soll das Sattler-Panorama ins ehemalige Barockmuseum beim Mirabellgarten übersiedeln. Grund: Der aktuelle Standort wird für eine Salzburg-Dependance des Wiener Belvedere benötigt.

Manch Spender von damals fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Heidi Reiter, die seit 50 Jahren als Fremdenführerin in der Stadt tätig ist, spricht von einem „Verräumen des im Weg stehenden Panoramas“. Es solle lediglich das im Barockmuseum geplante Weltkulturerbe-Zentrum „aufmotzen“.

Auch erfahrene Kunsthistoriker schäumen. Sie bewerten den jetzigen Standort als „ideal“, befürchten Schäden beim neuerlichen Transport und dass die schönen Kosmoramen (dazugehörige Landschafts- und Städtebilder von Vater und Sohn Sattler) dann nicht mehr gemeinsam mit dem Panorama ausgestellt werden.

„Stimmt alles nicht“, widerspricht Museums-Direktor Martin Hochleitner: „Die Kosmoramen werden genauso – und sogar barrierefrei – zu sehen sein. Als Rundbild kann das Panorama, ohne Schaden zu nehmen, gerollt transportiert werden. Und das damals gespendete Geld ging nicht ins Museum, sondern komplett in die Restaurierung. Davon war kein Cent umsonst.“

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Das Sattler-Panorama wurde jahrelang stiefmütterlich behandelt und auch wir Fremdenführer haben 2005 um Spenden geworben. Dass man das so schön restaurierte Gemälde jetzt wieder bewegt, tut ihm sicher nicht gut und wird neuerlich mit hohen Kosten verbunden sein.

Bärbel Schalber (l.) und Heidi Reiter, beide seit 50 Jahren Salzburger Fremdenführerinnen

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Im ehemaligen Barockmuseum werden zukünftig sowohl das Sattler-Panorama als auch das UNESCO-Weltkulturerbe-Zentrum untergebracht sein. Diese thematische Verbindung erlaubt uns ein nachhaltiges touristisches Angebot, eine Win-win-Situation.

Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum (inklusive Panoramamuseum)

Daten und Fakten
Das Sattler-Panorama ist ein von 1825 bis 1829 von Johann Michael Sattler gemaltes Rundgemälde, welches - von der Festung aus gesehen - das Panorama der Stadt Salzburg und des Umlandes zeigt. Es ist zirka 5 m hoch und fast 26 m lang. Standorte in Salzburg waren ein Rundgebäude im Mirabellgarten sowie das Entrée zu Casino und Cafe Winkler auf dem Mönchsberg. 2003 bis 2005 wurde es umfassend restauriert und ist seitdem im Panoramamuseum des Salzburg Museums ausgestellt.

Thomas Manhart
Thomas Manhart
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