08.05.2021 19:00 |

Männerberatungsstelle:

„Wir spüren eine Welle der Gewalt“

Verbrechen wie der grausame Doppelmord an zwei Frauen in Wals-Siezenheim passieren selten ohne Vorwarnung. Meist sind sie die tragische Eskalation einer längeren Gewaltspirale. Die Pandemie und der Umgang mit diesen Verbrechen in unserer Gesellschaft befeuern die Situation, warnt die Beratungsstelle Männerwelten.

„Gewalt ist selten etwas, das aus dem Nichts kommt. Bei fast allen Frauenmorden gibt es eine Vorgeschichte“, erklärt Harald Burgauner. Er leitet die Beratungsstelle Männerwelten in Salzburg und hilft männlichen Gefährdern einen gewaltfreien Weg der Konfliktlösung zu finden. 150 bis 250 Beratungen führt Männerwelten im Jahr durch. Teils kommen die Männer freiwillig, teils wird es ihnen angeordnet.

In der Pandemie hat sich die Situation verschärft. Während es zu Beginn ruhig blieb, bemerkt man jetzt eine „Welle der Gewalt“. Um sie zu verhindern, seien nicht nur die Opfer, sondern auch Zeugen gefordert. „Wer zuschaut, der stimmt zu. Wer nichts sagt, gibt dem Täter recht“, mahnt Burgauner. Um eine Eskalation wie kürzlich in Wals zu verhindern, müsse man früh reagieren. „Wenn Gewalt ins Spiel kommt, muss man sie als solche benennen.“

Zu lange würde weggesehen und Gewalt toleriert. Österreich zählt heuer bereits elf Frauenmorde – damit liegen wir EU-weit an der Spitze. Dafür verantwortlich ist auch der Umgang unserer Gesellschaft mit Frauenmorden, sagt Burgauner: „Solange die Öffentlichkeit von einer Beziehungstat oder Familiendrama spricht, wird der Mord an Frauen verharmlost. Es ist aber erschreckend, dass das Mordrisiko größer ist, nur weil man eine Frau ist.“

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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