28.04.2021 06:00 |

Energiecamp Murau

Kann denn das Reisen wirklich Sünde sein?

Das Energiecamp der Holzwelt Murau (29./30. 4.) beleuchtet die Auswirkungen des Tourismus auf den Klimawandel - wir haben den Experten Stefan Gössling (Professor für nachhaltigen Tourismus und nachhaltige Mobilität an der Universität Lund in Schweden) vorab zum Gespräch gebeten.

Herr Gössling, wie hat sich der Tourismus durch Corona verändert?
2018 war der Übertourismus in vielen Regionen ein großes Thema, dann gab es den rasanten Wechsel. Jetzt leben wir praktisch in einer Phase des Nicht-Tourismus.

Was können wir daraus für die Zukunft lernen?
Es ist höchste Zeit, Tourismus neu zu denken.

Was meinen Sie damit konkret?
Wir müssen weg vom ständigen Volumenwachstum. Es geht darum, mehr aus dem bestehenden System herauszuholen. Bei einer Umfrage haben 70 Prozent angegeben, im Urlaub weniger Geld ausgegeben zu haben als geplant. Kurz: Qualität vor Masse.

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit?
Es ist essenziell. 2020 gab es weltweit um acht Prozent weniger CO2-Emissionen als 2019. Das müssen wir im Kampf gegen den Klimawandel jedes Jahr schaffen.

Gibt es dazu Zahlen?
Die Ärmsten der Welt produzieren im Jahr 0,1 Tonnen CO2 pro Jahr, der durchschnittliche Deutsche 9 Tonnen. Ein einziger Flug nach Neuseeland produziert aber 13 Tonnen CO2.

Ist das Fliegen also das Hauptproblem?
Die durchschnittlichen Emissionen bei Freizeitreisen sind: 12 Kilogramm CO2 mit dem Zug, 46 beim Bus, 57 beim Auto, 1000 beim Flugzeug und 2000 Kilo beim Kreuzfahrtschiff. Beim Fliegen sind die weiten Flugreisen das große Problem.

Welchen Stellenwert hat das Fliegen heute überhaupt?
Die Aktion „Fridays for Future“ hat sicher zum Umdenken mitbeigetragen. Früher war Fliegen viel positiver besetzt. Heute geben viele Menschen an, künftig weniger oder gar nicht mehr ins Flugzeug steigen zu wollen.

Was muss sich noch tun?
Wir müssen es schaffen, die Aufenthaltsdauer der Gäste zu verlängern. In Österreich zum Beispiel hat man 1995 mit 20 Millionen Gästen 100 Millionen Nächtigungen erreicht. 20 Jahre später, 2015, hat man dafür schon 27 Millionen Gäste gebraucht.

Wie sieht es mit den Beherbergungen aus?
Auch hier muss das Thema Nachhaltigkeit und Regionalität forciert werden. 20 Prozent der Emissionen entstehen bisher eben in diesem Bereich.

Wie läuft eigentlich der Betrieb auf Ihrem Bio-Ferienbauernhof auf Öland?
Wir versuchen maximal umweltfreundlich und klimaneutral zu sein, erzeugen unter anderem unseren eigenen Strom.

Kann den Reisen tatsächlich Sünde sein?
Grundsätzlich nein. Wir müssen aber weit mehr auf Klima- und Nachhaltigkeitsziele achten. Österreich zeigt es der Welt vor, wie es geht, da hat sich viel getan. Österreich wird in Zukunft ein Gewinner sein.

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Das Energiecamp der Holzwelt Murau (www.energiecamp.at) und des Landes Steiermark findet am 29. und 30. April statt und wird als Live-Stream über diverse Kanäle kostenlos angeboten. Als Speaker dabei sind:

Hanno Settele, Radio- und Fernsehjournalist, Gestalter der ORF-Doku über Massentourismus und seine Folgen
Michaela Reitterer, Vorsitzende der ÖHV, Boutiquehotel Stadthalle Wien
Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor Emeritus des Potsdam-Institut fur Klimafolgenforschung
Mag. Florian Größwang, Leiter Abteilung Partner Management Österreich Werbung
Mag. Annemarie Lexer, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)
Univ. Prof. Dipl. Ing. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider, Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung BOKU Wien
Univ.-Prof. Dr. Dagmar Lund-Durlacher, Professorin am Institut für Tourismus- und Dienstleistungsmanagement an der Modul-Universität Wien
Prof. Dr. Stefan Gössling, Professor für nachhaltigen Tourismus und nachhaltige Mobilität an der Universität Lund in Schweden
Stefan Maurer, GF Regionalverband Pongau, GF Mobilito
Mag. Thomas Wiedner, GF E-Next GmbH, Head of Innovationsmanagement
Elias Bohun, Gründer des Start-Ups Traivelling
Mag. Maria Theresia Wilhelm, GF ARGE Murau Tourismus
Alexander Spiegl, Geschäftsführer HighAd
DI Dr. Robert Wimmer, Gruppe Angepasste Technologie TU Wien
DI Ingmar Höbarth, GF Klima- und Energiefonds Österreich

Michael Jakl
Michael Jakl
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