03.04.2021 09:00 |

Nach schwerem Unfall

„Meine Auferstehung habe ich schon erlebt“

Es gibt Menschen, die der Überzeugung sind, das Jenseits gesehen zu haben, als sie aus einer lebensbedrohlichen Situation wieder ins Leben zurückfanden. Kirchturmführer Franz Mauerhofer aus Pischelsdorf ist ein Pendler zwischen Himmel und Erde. Hier schildert er sein Erlebnis.

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Dem Himmel stets ein Stück näher sein - dieses Privileg genießt Franz Mauerhofer auf seinem stufenreichen Weg hinauf auf die oberste Spitze des Pischelsdorfer Kirchturms. Wer mit ihm auf die höchstgelegene Aussichtsplattform der Oststeiermark möchte, sollte nicht nur schwindelfrei sondern auch trittfest sein. Immerhin müssen 300 Stufen bis zur Kirchturmspitze genommen werden.

Die Himmelsleiter empor
Ohne Atemnot und Rastpausen marschiert der passionierte Kirchturmführer die immer steiler werdende Himmelsleiter empor. Vorbei am alten Uhrwerk, den großen Glocken, die doch nicht nach Rom geflogen sind. Nach einer Viertelstunde ist mit der letzten Leitersprosse die engen Ausstiegsluke zur luftigen Aussichtswarte erreicht.

Die Leichtfüßigkeit des 62-Jährigen grenzt an ein Wunder, wenn Franz Mauerhofer von seinem schweren Unfall berichtet, der ihn um Haaresbreite das Leben gekostet hat. „Ich bin mit meinem nagelneuen Motorrad frontal in einen VW-Bus gekracht. Der Fahrer hatte den Vorrang missachtet. Ich hatte keine Chance“.

„Die Energie strömte aus meinen Körper“
Mit lebensgefährlichen Verletzungen, enormen Blutverlust und unzähligen Brüchen fiel der gelernte Kfz-Mechaniker für drei Wochen ins Koma. Sein Leben hing an einem seidenen Faden, der für einen bewusst wahrgenommen Moment riss und den Todgeweihten in eine neue Welt brachte. „Ich spürte, wie die Energie aus meinem Körper entwich und emporstieg. Ich sah mich von oben am Operationstisch liegen. Mein Brustkorb war geöffnet, ich habe jedes Wort mitgehört und die Aufregung der Ärzte gespürt."

Die Worte, die Bilder und die erlebten Gefühle bleiben Franz Mauerhofer unauslöschlich. „Die Oberärztin hat gesagt, Burli du stirbst mir nicht weg, du bleibst da“. Wie lange diese Nahtoderfahrung dauerte, kann der Oststeirer nicht sagen.

„Ich habe im Jenseits Wunderschönes erlebt“
Auch fällt es dem Pensionisten schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. „Es war ein gutes, weiches Gefühl, als ich ins warme Schwarze ging. Nichts Bedrohliches, sondern ich fühlte mich so sehr geborgen, wie ich es in dieser Intensität noch nie erlebt hatte“, erinnert sich Franz Mauerhofer mit verzückten Augen, die vor 40 Jahren hinten den Horizont blicken durfte.

„Ich habe gespürt, wie die Energie wieder in meinen Körper zurückkehrt. Du bedauerst den Moment, wieder zurückgekehrt zu sein und nicht mehr diese überwältigende Geborgenheit zu fühlen“. Es hat viele Jahre gebraucht, um mit anderen Menschen darüber sprechen zu können. „Für mich war es nie ein Hirngespinst, weil ich es in keiner Weise als schockierendes Erlebnis wahrgenommen habe. Ich habe genau gewusst, was mit mir nach dem Tod passiert.“

Dennoch brauchte es eine lange Zeit, bis Franz Mauerhofer die Tiefe des Erlebten in das irdisches Weiterleben einordnen konnte. „So geht es allen, die eine Nahtoderfahrung gemacht haben“, sagt Renate Dolezal. Sie selbst hat die Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod nach einem Autounfall gemacht. Vor vier Jahren gründete die Grazerin eine Selbsthilfegruppe für Nahtoderfahrung in der Steiermark. (Kontakt: renate.dolezal@gmx.net)

Das erlebte Paradies ist nicht immer schön
Betroffene fühlen sich oft unverstanden, werden für verrückt erklärt und kommen mit dem irdischen Weiterleben schwer zurecht. „Für manche bleibt die Sehnsucht nach dem, was sie mit dem Tod erfahren haben. Es bleibt ein immenses Heimweh. Sie sehnen sich nach der ,himmlischen Ruhe’ und dem Ort der vollkommenen Liebe“. Doch es gibt auch negative Nahtod-Erfahrungen, „die mit dem klassischen Bild vom Paradies und Geborgenheit nichts zu tun haben. Zurück bleibt dann Angst“.

Franz Mauerhofer durfte die „himmlische Seite hinter dem Horizont“ sehen. Das hat sein Leben geprägt. „Ich bin ein überzeugter Optimist. Ich habe keine Angst mehr, auch nicht vor dem Sterben. Ich will mit meiner positiven Art für Menschen und Umwelt da sein“.

„Meine Auferstehung schon erlebt“
Das können viele Menschen bestätigen, die den vielseitigen Handwerker um jede Kleinigkeit bitten können. Denn eines hat der ehemalige ÖAMTC-Pannenfahrer und „Gelbe Engel“ von seiner paradiesischen Reise ins Jenseits mitgenommen: „Ich habe meine Auferstehung schon erlebt. Jetzt bin ich für meine Mitmenschen da und achte auf die Umwelt. Denn auf der anderen Seite kann ich auf niemanden mehr schauen.“

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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