Lehren aus Pandemie

Pflege-Experte: „Brauchen nicht nur mehr Personal“

Im „Krone“-Interview spricht Markus Golla, Studiengangsleiter für Gesundheits- und Krankenpflege an der IMC Fachhochschule in Krems, über das Image des Pflegeberufes und wie sich der Pflegenotstand beheben lässt

Herr Golla, Experten zufolge ist das viel zitierte Licht am Ende des Tunnels der Pandemie im Sommer endlich zu sehen. Wird das Image des Pflegeberufes nach der Pandemie ein besseres sein?

Markus Golla: Mutige Ansage. Ich halte nichts von diesen Durchhalteparolen. Durch die Pandemie wurde der Pflegeberuf sicher in den Fokus gestellt, ob das geholfen hat, werden wir sehen. Ich bin da skeptisch.

Warum?

Während der ersten Welle wurde uns noch zugeklatscht. Während der zweiten Welle dachte man plötzlich nur mehr daran, dass man sich bei Pflegern leicht anstecken könnte.

Oft ist von einem drohenden Pflegenotstand die Rede. Bereits vor der Krise fehlten in Niederösterreich aber 700 Fachkräfte. Wird politisch genug getan, oder wurden Reformen verschlafen?

In den vergangenen beiden Jahren wurde viel getan, das hätte aber schon vor 20 Jahren passieren müssen. Ich halte Konzepte wie die Caritas-Pflegeschule mit Matura in Gaming für absolut geeignet. Es braucht aber nicht nur mehr Personal, sondern auch bessere, digitale Versorgungskonzepte. Wenn ein Roboterarm zum Beispiel Patienten aufheben könnte, ruiniert sich keine Pflegekraft mehr den Rücken. Da ist man zum Glück in Niederösterreich derzeit auch dahinter.

Auch am Arbeitsmarkt wird der Preis bekanntlich ja über Angebot und Nachfrage geregelt. Steigt mit dem Notstand also nicht auch das Lohnniveau und somit auch die Attraktivität des Berufs?

Prinzipiell ja, aber die Diskrepanz ist bei uns noch sehr groß. Es gibt Häuser, in denen Absolventen unseres Studiengangs mit 1600, und Häuser, in denen Kollegen mit 2500 Euro netto einsteigen. Wenn sich die Leute das nicht gefallen lassen würden, müssten auch die anderen Häuser nachziehen. Hier spielt aber sicher auch der Faktor Work-Life-Balance eine Rolle. Zum Glück entscheiden sich immer mehr Männer für den Beruf.

Sie haben einen direkten Draht zum Fachpersonal von morgen. Warum entscheiden sich die Menschen für eine Ausbildung im Pflegebereich?

Es ist Typsache. Man entscheidet sich für den Pflegeberuf, weil man mit Menschen arbeiten und sie unterstützen möchte. Die Medizin beschäftigt sich mit der Krankheit, die Pflege immer mit dem ganzen Menschen. Für mich ist es einfach der coolste Job auf Erden.

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