"Krone"-Interview

Hospiz-Obmann: “Wir schenken Aufmerksamkeit”

Steiermark
13.12.2010 10:32
Die Weihnachtszeit lässt Einsamkeit gleich doppelt schmerzen, gerade bei unheilbar kranken Menschen. Der Hospizverein begleitet jährlich Tausende Steirer in ihrer letzten Lebensphase und ist auch für die Angehörigen vielfach einen wichtige Stütze. Die "Steirerkrone" sprach mit Obmann und Arzt Karl Harnoncourt.

"Krone": Herr Harnoncourt, Weihnachten ist das Fest der Geburt. Zum Leben gehört aber auch der Tod. Tun wir uns mit diesem Thema schwer?
Karl Harnoncourt: Sehr schwer, es ist ein wahres Tabuthema. Das Ausklingen des Lebens wird in der modernen Gesellschaft ausgeblendet. Unvorbereitet trifft uns der Schicksalsschlag dann aber dreifach schwer - das habe ich in meiner Tätigkeit als Arzt oft erleben müssen. Umso wichtiger ist die Begleitung durch ehrenamtliche Hospizmitarbeiter.

"Krone": Welche Aufgaben übernimmt die Hospiz genau?
Harnoncourt: Früher waren Familie oder Nachbarn für Sterbenskranke da, schenkten Aufmerksamkeit und Gespräche. Diese Rolle übernimmt heute vielfach die Hospiz. Es gibt nichts Schöneres in dieser Phase als ein Gegenüber, mit dem man über alles sprechen kann - das gilt auch für die Angehörigen.

"Krone": Was soll durch die Hospizarbeit erreicht werden?
Harnoncourt: Die Menschen sollen das Leben, das ihnen noch gegönnt wird, so schmerzfrei, froh und würdig wie möglich verbringen können. Eine Hauptaufgabe ist es, dass alle das Schicksal annehmen und auch offen darüber sprechen.

"Krone": Also sollen die Angehörigen nicht sagen: Es wird ja alles wieder gut?
Harnoncourt: Genau, denn der Betroffene weiß, dass das nicht stimmt und wird noch einsamer. Man sollte sagen: Wir machen den restlichen Weg gemeinsam gut - aber mit dem Wissen, dass das Schicksal nicht geändert werden kann.

"Krone": Vermittelt die Hospiz oft auch in den Familien?
Harnoncourt: Ja, viele wollen in dieser letzten Lebensphase noch jemandem die Hand reichen, mit dem man lange zerstritten war. Das bringt Entspannung und Frieden.

"Krone": Welche Fähigkeiten müssen ehrenamtliche Hospizmitarbeiter mitbringen?
Harnoncourt: Es ist schon schwer, jemanden aus der eigenen Familie in dieser Phase zu unterstützen, bei Fremden benötigt es eine große persönliche Stärke und Lebenserfahrung. Wichtig ist auch, sich selbst aus dem Spiel zu lassen. Diese Gaben sind nur einer kleiner Auswahl von Menschen gegeben.

"Krone": Und jene, denen diese Gaben nicht geschenkt wurden, können die Hospizbewegung ja finanziell unterstützen...
Harnoncourt: Meine Vision ist eine Bewegung, zu der alle Steirer gehören. Denn klar ist: Das Thema betrifft früher oder später jeden von uns.

Interview: Jakob Traby, "Steirerkrone"

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