05.02.2021 10:00 |

Murauer Faschingrennen

Steirischer Brauch: Von Hühnern und Heischern

Billiger Jakob, Vettln, Schinder oder auch der Wegauskehrer - diese Gesellen findet man beim Murauer Faschingrennen. Und wenn Corona besiegt ist, werden sie wieder unterwegs sein.

Seine Ursprünge findet dieses große und bunte Spektakel im 18. oder 19. Jahrhundert, genau weiß das heute keiner mehr - aber wie so vieles hat es sich aus dem Betteln, damals „Heischen“ genannt, entwickelt. Und es ist auch kein Zufall, dass es zu dieser Jahreszeit stattfindet. Denn es waren vor allem kinderreiche Familien und bäuerliche Arbeitskräfte, die nach den winterlichen, entbehrungsreichen (Hunger-)Monaten von Haus zu Haus zogen, um Lebensmittel zu erbitten.

In Murau wurde der Brauch so schillernd, dass er im Jahr 2011 sogar in der Österreich-Liste „Immaterielles Kulturerbe der Unesco“ Einzug fand. „Darauf sind wir schon stolz“, sagt Sprecher Alfred Baltzer, der den Brauch in- und auswendig kennt. Und ihn und die Figuren auch hoch interessant erklären kann!

Typisch ist das Faschingrennen für den Bezirk Murau, durchgeführt wird es regional verschieden. Die Basis ist stets dieselbe: „Es sind 25 bis 40 Leute, die mitmarschieren“, sagt Baltzer. Natürlich nur Männer - so wie in vielen alten Gebräuchen wird diese Bastion gehalten. . .

Zitat Icon

"Wir können stolz auf unser Faschingsbrauchtum sein. Gerade weil er uns heuer so schmerzlich fehlt, wird im nächsten Jahr der steirische Fasching umso prächtiger zurückkehren"

Christopher Drexler, Kulturlandesrat

Sie ziehen bereits um 5 Uhr früh über die Felder los! Der Wegauskehrer (der im Mittelalter dafür zuständig war, dass die Wege begehbar blieben), die Glock- und Schellfaschinge, der Schattenstreich, die Rossgruppe, der billige Jakob und die Vettln - letztere betteln für ihre ledigen Kinder.

Eine Ehre für jeden Bauern, den sie aufsuchen! Baltzer: „Der versteckt dann quasi ein Stück Speck oder Brot auf dem First, das der Schattenstreich finden muss. Bis dahin tanzen die Schellfaschinge, die den anstrengendsten ,Job‘ haben, im Kreis.“ Dann kommt noch ein Rossverkäufer dazu, der Schmied, der Schinder, eine Bauernhochzeit. Erst um 19 Uhr ist man zum „Betläuten“ wieder daheim! Baltzer: „Für alle ein wertgeschätztes, wunderschönes Stück Tradition, von dem wir froh sind, dass wir es erhalten können.“

Leider fällt es heuer auch Corona zum Opfer - doch das Kulturerbe kann den Rennern keiner nehmen!

Diese Serie ist eine Initiative von Volkskultur Steiermark und „Krone“

Christa Blümel
Christa Blümel
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