Angelobung in Wien

Staatssekretärin Remler: “Ich bin keine Quotenfrau”

Tirol
27.11.2010 09:41
Am Freitag, ihrem 38. Geburtstag, ist die Tirolerin Verena Remler von Bundespräsident Heinz Fischer als neue Familien-Staatssekretärin angelobt worden. Tochter Valentina, Ehemann Dieter, ihre Eltern und die ÖVP-Parteispitze waren beim Festakt in der Hofburg mit dabei. Im "Krone"-Gespräch mit Nadia Weiss verriet die Marek-Nachfolgerin am Tag davor, was sie vom Sparkurs des Finanzministers hält und warum sie nicht als "Quotenfrau" bezeichnet werden will.

"Krone": Frau Staatssekretärin, Sie müssen nun in schwierigen Zeiten den Sparkurs des Finanzministers bei den Familien verteidigen oder sich dagegen wehren. Was ist Ihr Plan?
Verena Remler: In den vergangenen Jahren ist in der Familienpolitik sehr viel Positives passiert, die Leistungen des Staates rangieren hier immer noch im europäischen Spitzenfeld. Mir ist es wichtig, meine drei Kernthemen weiterzuentwickeln: Familie und Kind, Familie und Pflege und Familie und Beruf.

"Krone": Werden Sie dafür auch mehr Geld fordern?
Remler: Da ich viel Praxis gerade auch im Bereich der Pflege habe und selber eine berufstätige Mutter bin, weiß ich, dass es nicht nur eine Geldfrage, sondern auch eine Bewusstseinsfrage ist. Es geht auch darum, wie sehr die Gesellschaft bereit ist, füreinander Verantwortung zu übernehmen. Es braucht immer einen guten Mix zwischen Geld- und Sachleistungen, und sehr wichtig ist mir der Ausbau der Kinderbetreuung.

"Krone": Ihr Parteichef Josef Pröll hat mir vor zwei Wochen im Interview gesagt, dass die niedrige Geburtenrate wesentlich durch die Unabhängigkeit der Frau begründet wird. Wie sehen Sie das?
Remler: Ich möchte Frauen Mut machen, dass Beruf und Familie vereinbar sind. Im Mittelpunkt muss immer die Wahlfreiheit stehen.

"Krone": Vor wenigen Tagen hat die Nachricht für Aufsehen gesorgt, dass sich in Österreich jeder zweite Passagier "kinderfreie Flüge" wünscht. Worauf lässt diese Haltung schließen?
Remler: Es geht beim Thema Wahlfreiheit im Zusammenhang mit Familienpolitik auch darum, Diskriminierungen abzubauen. Weder die mehrfache Mutter noch die kinderlose Frau sollen Benachteiligungen ausgesetzt sein.

"Krone": Wie definieren Sie den Begriff Familie?
Remler: Familie ist für mich überall dort, wo Kinder leben. Daher war das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld ein ganz wesentlicher Schritt hin zu einer modernen Familienpolitik. Ich selber habe von der Kinderbeihilfe profitiert.

"Krone": Ihre achtjährige Tochter bleibt vorerst in Osttirol?
Remler: Das fällt mir natürlich nicht leicht, ich liebe meine Tochter über alles. Aber ich wollte sie nicht mitten im Schuljahr aus der gewohnten Umgebung reißen. Meine Eltern und mein Ehemann kümmern sich um sie, die Entscheidung, das Amt der  Staatssekretärin anzunehmen, haben wir gemeinschaftlich getroffen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Familie funktionieren kann, und ich habe zum großen Glück ein starkes Familennetzwerk. Und ich glaube, meine Tochter ist auch ein bisschen stolz auf mich

"Krone": Suchen Sie nun in Wien eine Wohnung mit Kinderzimmer?
Remler: Natürlich! Das Kinderzimmer wird das erste sein, was ich einrichte. Noch wohne ich allerdings im Hotel, aber hoffentlich nicht mehr lange.

"Krone": Kann Ihr Mann durch seinen Beruf als Künstler mehr Verantwortung für die Kindererziehung und den Haushalt wahrnehmen?
Remler: Das muss ich auch einmal richtigstellen: Mein Mann ist hauptberuflich Manager in einem großen Dienstleistungsunternehmen und malt in seiner Freizeit. Wir haben immer alles partnerschaftlich gelöst, und er steht jetzt auch voll und ganz hinter mir.

"Krone": Ist Familienpolitik für Sie vor allem Frauenpolitik?
Remler: Ja, seien wir uns ehrlich, Frauen sind im Berufsleben noch immer benachteiligt, und wir brauchen dringend Initiativen, die beispielsweise den Wiedereinstieg nach der Karenz erleichtern. So lange wir nicht größtmögliche Wahlfreiheit herstellen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in jeder Konstellation gelebt werden kann, dürfen wir nicht zufrieden sein. In der Chancengleichheit besteht Aufholbedarf.

"Krone": Was würden Sie von einer Quotenregelung halten?
Remler: Ich bezeichne mich nicht gerne als Quotenfrau, weil ich nach meiner Leistung beurteilt werden möchte. Diesen Anspruch haben sicher viele Frauen.

"Krone": Aber das ideale Anforderungsprofil für die neue Staatssekretärin war weiblich, aus Tirol stammend, verheiratete Mutter und dem ÖVP-Arbeitnehmerbund zugehörig?
Remler: Meine Qualifikation für das Amt besteht darin, dass ich als Juristin gelernt habe, faktenorientiert zu arbeiten, und die Gelegenheit hatte, als Geschäftsführerin des Gesundheits- und Sozialdienstes Lienz praktische Erfahrung zu sammeln.

"Krone": Familie ist dort, wo Kinder sind: Sollte diese Wahlfreiheit auch für homosexuelle Paare durch die Möglichkeit der Adoption hergestellt werden?
Remler: Diese Möglichkeit sehe ich im Moment nicht.

"Krone": Sind Sie religiös?
Remler: Ich bin praktizierende Katholikin und besuche an Sonntagen so oft es möglich ist den Gottesdienst.

"Krone": Zurück zum lieben Geld: Wo werden Sie für die Familien nachverhandeln?
Remler: Das Budget liegt am Tisch, und ich bin überzeugt, dass Härten abgeschliffen werden müssen. Die Familie war immer ein Kernthema der ÖVP und wird es auch bleiben. Ich bin überzeugt, dass es Änderungen bei Studien mit längerer Mindeststudiendauer hinsichtlich Kindergeld geben wird sowie beim Mehrkindzuschlag.

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