20.01.2021 11:30 |

Harsche Kritik

Aufregung in Tirol: Impfplan schlecht organisiert?

Nach umstrittenen Impf-Vorkommnissen wie unter anderem in Kirchbichl kommt harsche Kritik aus der Politik. Diese pocht auf eine bessere Planung. Nicht zum ersten Mal steht die schlechte Vorbereitung im Fokus.

Der Vorwurf der schlechten Planung reißt nicht ab: Nach der Priorisierung des Landes Tirol sollen zuerst die Alters- und Pflegeheime durchgeimpft werden. Für Aufregung sorgte der Fall in Kirchbichl, wo unter anderem der Sohn des Bürgermeisters geimpft wurde – nicht der einzige Fall in Tirol! Das war möglich, weil Impfdosen übrig geblieben waren. Das Land Tirol erklärt auf „Krone“-Anfrage die übrig gebliebenen Dosen damit, dass man zuerst davon ausgegangen war, aus einem Fläschchen Impfstoff nur fünf statt sechs Dosen verimpfen zu können.

„Tiroler Impfskandal“
Einige Tiroler Politiker meldeten sich nun zu Wort. Gebi Mair (Grüne) findet die Aktion unsolidarisch gegenüber den Risikogruppen: „Die Gemeinden haben genügend Kenntnis darüber, wer in die erste Impfphase fällt. Das sind Menschen in Altersheimen, über 80-Jährige, Menschen, die auf Covid-Stationen seit beinahe einem Jahr Übermenschliches leisten und erste Hochrisikogruppen. Wenn in einem Altersheim geimpft wird, ist Vorsorge zu treffen, dass übrig gebliebene Dosen sofort jene erhalten, die laut Impfplan an der Reihe sind.“ Markus Abwerzger (FPÖ) spricht von einem Tiroler Impfskandal: „Selbstbedienung an der Corona-Vakzine ist nicht nur unmoralisch, sondern eine Frechheit.“

Auch Dominik Oberhofer (Neos) ist empört: „Wenn sich nun in Tirol die Bürgermeister bei Impfungen vordrängen, dann zeigt das das Versagen der Impfstrategie, die der Bund an die Länder abgeschoben hat.“

Fehler in der Planung
Das Zusammenspiel zwischen Bund und Land sorgt nicht zum ersten Mal für Stirnrunzeln. So meint Organisationsexperte Prof. Leonhard Dobusch von der Innsbrucker Universität: „In Österreich fehlt es an einer spezialisierten Behörde zur Pandemiebekämpfung auf Bundesebene. Auf Landes- und Bundesebene ist fehlende Erfahrung mit Datenaustausch und -freigabe ein Problem. Da ist uns Deutschland voraus. Dort gibt es Transparenz- und Informationsfreiheitsgesetze, in Österreich nur das Amtsgeheimnis in Verfassungsrang.“

Schon zuvor hatte der zögerliche Impfstart für Verwunderung gesorgt. „Überraschend war die Verzögerung auch deshalb, weil die unterschiedlichen Lagerbedingungen der verschiedenen Impfstoffe ja schon vor deren Zulassung bekannt waren.“

Nadine Isser, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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