Falsche Tierliebe

Warum Brot für Wasservögel lebensgefährlich ist

Altes Brot für Enten wirkt harmlos. Doch diese Form der Fürsorge schadet mehr, als sie nützt. Die Fütterung mit Essensresten macht Wasservögel krank und kann zu tödlichen Fehlbildungen führen. Tierschützer und Ökologen warnen vor den Folgen von „Fast Food“ in Gewässern.

Enten, Schwäne und andere Wasservögel sind gut an ihre Lebensräume angepasst. Je nach Art ernähren sie sich von Gräsern, Wasserpflanzen, Insekten, Sämereien und kleinen Wassertieren. In intakten Gewässern finden sie davon ausreichend Nahrung. Selbst in der kalten Jahreszeit sind sie nicht auf menschliche Unterstützung angewiesen.

Das Füttern an stehenden Gewässern ist in Österreich meist untersagt. Es greift in natürliche Abläufe ein, macht die Tiere zutraulich und verändert ihr Verhalten. In Wien ist das Füttern durch das Wiener Reinhaltegesetz geregelt. Wer Wasservögel füttert oder Lebensmittel ins Wasser wirft, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Schwäne und Enten „betteln“ nicht, weil sie hungrig sind, sondern weil sie durch unkontrollierte ...
Schwäne und Enten „betteln“ nicht, weil sie hungrig sind, sondern weil sie durch unkontrollierte Fütterung davon abkommen, sich selbstständig Nahrung zu suchen.(Bild: Klemens Groh)

„Futter“ ohne Nährstoffe
Ungeachtet der gesetzlichen Lage ist das Füttern mit altem Brot weiterhin verbreitet. Besonders in stark frequentierten Parks gehört es vielerorts zum gewohnten Bild. Die Absicht dahinter ist meist gut, die Folgen sind es nicht.

„Brot ist für Wasservögel wie Fast Food für den Menschen“, erklärt Alfred Kofler vom Österreichischen Tierschutzverein. Es sättigt, liefert aber kaum jene Nährstoffe, die die Tiere benötigen. Proteine, Vitamine und Mineralstoffe fehlen weitgehend. Die Vögel fühlen sich satt, bleiben aber unterversorgt.

Fehlbildungen und geschwächtes Immunsystem
Die Folgen sind oft dramatisch. Brot quillt im Magen auf, entzieht dem Körper Feuchtigkeit und kann zu Verstopfungen führen. Schimmeliges Brot verursacht Pilzinfektionen und Vergiftungen. Studien zeigen, dass falsche Ernährung das Immunsystem schwächt, das Gefieder brüchig macht und die Sterblichkeit, vor allem im Winter, erhöht.

Besonders gefährlich ist das sogenannte Engelsflügel-Syndrom bei Jungvögeln. Durch energiereiches, aber nährstoffarmes Futter wachsen die Schwungfedern zu schnell. Das Flügelgelenk verdreht sich nach außen, die Tiere verlieren ihre Flugfähigkeit. In freier Wildbahn ist das meist ein Todesurteil. „Wir sehen regelmäßig Tiere, die unter diesen Spätfolgen leiden“, sagt Kofler.

Wenn das ökologische Gleichgewicht kippt
Nicht nur die Vögel selbst leiden. Auch das Gewässer nimmt Schaden. Zoologe Richard Zink von der Veterinärmedizinischen Universität Wien warnt: Brot und andere Speisereste sind kein vollwertiges Futter. Schimmeliges oder gewürztes Brot kann sogar lebensbedrohlich sein. Zudem beeinträchtigen Futterreste die Wasserqualität erheblich.

Was nicht gefressen wird, sinkt auf den Grund, beginnt zu faulen, verbraucht Sauerstoff und setzt Nährstoffe frei. Algen breiten sich aus, das ökologische Gleichgewicht kippt. Gleichzeitig locken die Futterreste unerwünschte Gäste an. Ratten finden hier ein reich gedecktes Buffet.

Aufklärung statt Verbote
„Wir wollen niemanden verurteilen“, sagt Alfred Kofler. „Die meisten Menschen wissen es oft nicht besser.“ Aufklärung sei der wirksamste Schutz. Am besten den Wildtieren die Futtersuche selbst überlassen und sich an ihrem natürlichen Verhalten erfreuen. Wer versteht, dass Brot den Tieren schadet, kann sein Verhalten ändern. Aus echter Tierliebe!

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