16.12.2020 09:45 |

Steirische Heldin

Krankenschwester: So ist der Alltag mit Corona

Eva Gribat (31) leitet die Covid-Station des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Graz. Sie vertritt das Gesundheitspersonal als steirische Heldin des Corona-Jahres 2020.

Eva Gribat und ihr Team sind in den vergangenen Wochen über sich hinausgewachsen. Stunden über Stunden verbringt das 30-köpfige Team aus Krankenschwestern und -pflegern unter der dicken Schutzausrüstung. „Es ist warm, man sieht schlecht, und es ist anstrengend. Aber wir sind dadurch näher zusammengerückt“, sagt Gribat.

32 Covid-Betten betreut das Team in Graz. Obwohl es keine Intensiv-Betten sind, ist die Arbeit um einiges aufwändiger als im normalen Betrieb. Auch psychisch: „Sehr viele Leute versterben. In den letzten vier Wochen waren es 15 Patienten. In so kurzer Zeit hat das noch nie jemand von uns erlebt“, sagt die 31-Jährige. „Das ist natürlich eine große Belastung.“

Auch, weil sich der Zustand der Patienten so schnell ändern kann. „Bei vielen, die verstorben sind, haben wir nicht damit gerechnet. Das geht von einer Minute auf die andere – die Sauerstoff-Sättigung fällt sehr rasch ab. Mit einem Mann haben wir schon über die Entlassung gesprochen, zwei Tage später war er tot.“ Um das alles zu verarbeiten, stehen auch Psychologen und Seelsorger für das Personal bereit.

Das Virus wirkt sich nicht nur auf Gribats beruflichen, sondern auch ihren privaten Alltag aus. „Ich muss mich selbst – aber auch meine Mitarbeiter, Freunde und Familie – schützen“, sagt sie. Mit ihrem Umfeld hat sie daher nur telefonischen Kontakt. Und Weihnachten? Das feiert die junge Frau mit ihrem Partner zuhause. „Meinen Eltern werde ich höchstens mit FFP3-Maske ein Packerl bringen.“

Bei allen Entbehrungen gibt es auch schöne Momente. „Immer dann, wenn wir einen Patienten entlassen können. Und einmal hat ein 80-jähriger Mann sogar geweint, als sein Test negativ war.“ Besondere Freude bereiten dem Team Dankeskarten von Patienten.

In Rage gerät Gribat, wenn jemand Corona mit einer Grippe vergleicht oder achtlos feiern geht. Ihre große Hoffnung: die Impfung.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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