01.12.2020 06:00 |

Spenden erbeten

Die Krebshilfe ist in massiven Finanznöten

Corona-bedingt kämpfen Hilfsorganisationen mit massiven Spendenrückgängen. So auch die steirische Krebshilfe. Geschäftsführer Christian Scherer über die dramatische Lage.

Herr Scherer, viele Hilfsorganisationen in Österreich haben durch die Viruskrise mit massiven Spendenrückgängen zu kämpfen. Wie geht es der Krebshilfe Steiermark?
Leider hat Corona auch uns heuer schwer getroffen. Zahlreiche Spenden-Großveranstaltungen - wie etwa das Benefiz-Golfturnier im Frühjahr in Bad Waltersdorf oder sämtliche „Pink Ribbon“-Events - konnten nicht über die Bühne gehen. Erst letzte Woche musste eine Aktion zur Krebsvorsorge bei Männern abgesagt werden. Die Krebshilfe finanziert sich aber zu 100 Prozent aus Spenden.

Wie hoch sind diese in einem gewöhnlichen Jahr?
2019 konnten wir 750.000 Euro an Spenden lukrieren. Geld, das Krebspatienten und deren Familien zugute kommt - alle unsere Unterstützungsleistungen erbringen wir ja kostenlos. Ungefähr die Hälfe dieser Spenden sammeln unsere Hunderten Partnerschulen für unsere Aktion „Blume der Hoffnung“ jedes Jahr im Frühjahr - durch den Lockdown war das heuer kaum möglich. Auch bei privaten Spendern und Betrieben gab es schwere Einbrüche.

In Zahlen gesprochen - wie hoch beziffern Sie als Geschäftsführer den Ausfall?
Alles zusammengerechnet fehlen uns 250.000 Euro. Eines darf jetzt aber nicht passieren: Dass wir Menschen, die unsere Hilfe benötigen, abweisen müssen - oder so lange warten lassen müssen, bis es keinen Sinn mehr macht.

Welche Unterstützung kann die Krebshilfe Betroffenen geben?
Zu uns kommen Krebspatienten oder deren Angehörige. Die Familien sind ja die „heimlich Betroffenen“. Sie brauchen gerade jetzt unsere Hilfe, um mit der enormen psychischen Belastung umzugehen. Mit unserem geschulten Beratungsteam - darunter klinische Psychologen und Psychotherapeuten - unterstützen wir dabei, den Schock der Diagnose zu verarbeiten, Ängste und Sorgen zu bewältigen und wieder Hoffnung und Kraft zu finden.

Zu den Betroffenen zählen ja auch Kinder.
Ja. Das Krebshilfe-Projekt „Mama/Papa hat Krebs“ begleitet gezielt Kinder von Tumorpatienten. Denn gerade Kinder brauchen besondere Unterstützung, um mit ihren Ängsten, ihrer Wut und in vielen Fällen leider auch ihrer Trauer umgehen zu lernen. Wir hatten zum Beispiel einen Fall, bei dem ein vierjähriges Mädchen plötzlich aufgehört hat zu sprechen. Unsere Therapeuten sind dann draufgekommen, dass es sich selbst Schuld an der Erkrankung ihres Papas gab. Wir konnten helfen.

Heute ist der „Giving Tuesday“, ein Spendentag nach dem „Black Friday“, der für die Krebshilfe von Birgit Jungwirth organisiert wird...
Das Schicksal Krebs, oft „biologisches Pech“, erzeugt eine Schieflage in der Gesellschaft. Wir versuchen, diese Schieflage ein bisschen auszugleichen. Vielleicht hilft uns der heutige Spenden-Dienstag Geld zu sammeln, das wir wieder weiterreichen. Und zwar in Form von Leistung für diejenigen, die unsere Hilfe brauchen.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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