26.11.2020 12:00 |

Primaria im Interview

„Es sind nicht die Betten, sondern das Personal“

Uta Hoppe ist Primaria für Kardiologie und internistische Intensivmedizin am Salzburger Uniklinikum. Sie erzählt, warum noch kein Ende des Ausnahmezustandes in Sicht ist.

Frau Dr. Hoppe, wie beschreiben Sie die derzeitige Situation auf den Intensivstationen?

Im Augenblick ist die Anzahl der Patienten noch machbar. Aber wir müssen damit rechnen, dass die Zahlen noch weiter ansteigen. Patienten kommen in der Regel erst einige Tage nach ihrer Infektion ins Krankenhaus und brauchen dann wiederum erst ein paar Tage später Intensivbetreuung. Und jetzt stellen Sie sich vor, was passiert, wenn einige Patienten auf der Normalstation gleichzeitig intensivpflichtig werden. Dann wird es kritisch. Wir sind also noch nicht über den Berg.

Die Zahl der Intensiv-Patienten blieb ja lange Zeit bei steigender Hospitalisierung recht gleich. Wie kann man das erklären?

Das hat mehrere Gründe. Auf der einen Seite sind die Sterberaten etwas höher. Wir haben sicherlich eine gewisse Übersterblichkeit, was wir vom ersten Lockdown nicht kennen. Es sind durch die Cluster in den Altenheimen viele ältere Menschen erkrankt. Und da ist das Risiko, einen schweren Verlauf zu haben, einfach erheblich größer. Es gibt außerdem ältere Patienten, die schon so viele Vorerkrankungen haben, dass sie mit einer Patientenverfügung festgelegt haben, dass sie nicht mehr an die Maschinen gehängt werden wollen. Und dann gibt es noch die erfreulichere Variante - die jüngeren Patienten mit schweren Verläufen, die nur kurze intensivmedizinische Betreuung brauchen und schnell wieder auf die Normalstation können.

Kann man festmachen, um wie viel aufwändiger die Betreuung von Covid-Patienten ist?

Unsere Erfahrungswerte zeigen, dass man zwei Pflegekräfte zur Betreuung eines Covid-Patienten braucht. Genau das ist der springende Punkt. Es ist immer von den fehlenden Betten die Rede. Es sind aber nicht die Betten das Problem, sondern das Personal. Möchte man 200 zusätzliche Betten für Covid-Erkrankte, müssen dafür 400 auf anderen Stationen reduziert werden. Und darunter leiden dann natürlich andere Bereiche, wie beispielsweise die planmäßigen Operationen. Und die Menschen, deren OPs jetzt verschoben wurden, sind ja auch krank - die ganzen Eingriffe müssen irgendwann nachgeholt werden, das dürfen wir dabei nicht vergessen.

Marie Schulz
Marie Schulz
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