25.11.2020 17:00 |

Was tun?

Gewalt an Frauen: Es gibt immer einen Ausweg

Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Auch in der Steiermark sind Hunderte davon betroffen. Zivilcourage kann bei häuslicher Gewalt Leben retten. Doch wie verhält man sich am besten, wenn man davon erfährt? Und wo finden Betroffene Schutz? Gewaltschutz-Expertinnen klären auf.

Nach außen hin waren wir das perfekte Ehepaar.“ Eine braunhaarige Frau spricht über ihre Gewalterfahrung. Für die Dokumentation „Liebes:Leben“ von Carola Mair öffnet sie sich. „Nach der Hochzeit hat sich etwas verändert. Ich war unter totaler Kontrolle – kein Handy, kein Auto, kein Geld.“ Dann kamen die Schläge. Blaue Flecken, gebrochene Hände. „Für ihn wird es mit jedem Übergriff leichter.“

Gewalt, wie sie diese Frau erlebt hat, ist kein Randphänomen. „Eine von fünf Frauen in Österreich ist zumindest einmal in ihrem Leben betroffen“, erklärt Petra Leschanz, Rechtsberaterin beim Frauenservice Graz. Die Täter sind meist (Ex-) Partner. 2019 wurden doppelt so viele Frauen wie Männer ermordet. Die meisten davon in Beziehungen oder Trennungssituationen.

Aber es gibt Hoffnung. „Auch in einer scheinbar ausweglosen Situation ist ein Ausweg da, wenn Personen aus dem Umfeld aufmerksam werden“, sagt Leschanz. Das soziale und familiäre Umfeld ist „der wichtigste Rettungsanker“.

Psychische Gewalt als ein erstes Anzeichen
Doch wie bemerkt man, wenn eine Freundin – oder man selbst – in einer Gewalt-Beziehung feststeckt? Das Sprechen darüber fällt schwer. „Gewalt ist ein großes Tabu“, sagt Frauenservice-Juristin Barbara Scherer. „Oft beginnt es mit einem Gefühl, dass etwas nicht stimmt.“ Wenn der Partner kontrolliert und überwacht, Verbote ausspricht, können das erste Signale für Gewalt sein. „Plötzlich werden Regeln aufgestellt, die nur innerhalb der Beziehung gelten.“

Dabei müssen nicht immer auf Worte Taten folgen, wie Marina Sorgo, Leiterin des Gewaltschutzzentrums, erklärt. „Nicht jede Gewaltbeziehung geht ins körperliche, aber psychische Gewalt ist immer die Voraussetzung für alles weitere.“

Wie Angehörige nun helfen können? „Wichtig ist es zu vermitteln, dass die Tür immer offen bleibt“, sagt Sorgo. Vertraut sich eine Betroffene jemandem an, ist Verständnis besonders wichtig. „Betroffene fühlen sich schuldig und schämen sich. Wenn ich ein Gespräch führe, muss ich diese Schuld und Scham verstehen.“ Druck sollte man unter allen Umständen vermeiden. „Man kann einen Menschen nur rausbegleiten, nicht rausschieben.“

Ist Gefahr in Verzug, sollte man die Polizei rufen. Und Selbstschutz ist genauso wichtig, sagt Scherer vom Frauenservice: „Wer sich einem Gewalttäter in den Weg stellt, macht sich selbst zum Zielobjekt. Es droht die Eskalation - die Vertrauensbasis wird erschüttert.“

Sie sind von Gewalt betroffen? Wenden Sie sich an die Frauenhelpline unter 0800 222 555, die Frauenhäuser Steiermark unter 0316 42 99 00 (24-Stunden-Notruf) oder an die Polizei unter dem Notruf 133.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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