03.11.2020 14:50 |

Urteil am Mittwoch

Mordversuch: Grazerin auf Ehemann eingestochen

Fünf Stiche von hinten in Hals, Kiefer, Nacken und Rücken des Ehemannes - trotzdem hat eine Grazerin am Dienstag im Straflandesgericht von Notwehr gesprochen. Dem tätlichen Angriff ging ein heftiger Streit voraus, außerdem waren beide alkoholisiert. Die Angeklagte, die sich wegen versuchten Mordes verantworten muss, beteuerte, sie habe sich nur verteidigt und wollte von einer Tötungsabsicht nichts wissen. Die Verhandlung wurde auf zwei Tage anberaumt, ein Urteil wird für Mittwoch erwartet.

„Die Beziehung war konfliktbehaftet“, beschrieb der Staatsanwalt. Das Paar hatte zwar erst 2019 geheiratet, trotzdem reichte die Frau Ende des Jahres bereits die Scheidung ein. Im April 2020 kam es wieder einmal zu so einer heftigen Auseinandersetzung, dass die Polizei einschreiten musste. Sie wies den Ehemann weg, doch dieser kam zurück.

Stich in den Hals
Im Zuge eines neuerlichen Streites soll er auf die Frau losgegangen sein, aber sie konnte ihn wegstoßen. Nach ihren Angaben hatte er ein Messer in der Hand, das dann aber sie ergreifen konnte und ihn damit in den Hals stach. Die kurze Klinge des Bastelmessers brach ab, also ging die Angeklagte in die Küche und holte ein anderes Messer.

Beide waren alkoholisiert
Damit stach sie laut Anklage insgesamt fünf Mal zu, und zwar ausschließlich in die Rückseite des Mannes. „Sie haben versucht, ihn umzubringen“, stellte Richter Raimund Frei fest. „Nein, nie“, antwortete die Beschuldigte. „Sie sind aber mit dem Messer auf ihn losgegangen“, meinte der Vorsitzende. „Ich hab‘ mein Leben retten müssen“, beteuerte die Frau. Dass beide betrunken waren, leugnete sie nicht.

Schnaps schon zum Frühstück
Das war aber eher der Normalzustand, besonders bei ihrem Mann: „Er ist in der Früh nur mit dem Hund gegangen, damit er zum Billa gehen und ein paar Leibwächter (Kräuterschnaps. Anm.) trinken kann“, erzählte sie. Außerdem habe er sie bestohlen, in der Wohnung randaliert „und mein Gewand zerschnitten“, schilderte sie ihren Ehealltag, beteuerte aber gleichzeitig: „Wir haben uns geliebt, ich empfinde immer noch etwas“.

Türrahmen aus Fenster geworfen
Am Tag der Tat hatte er vor seiner Wegweisung auch wieder einiges in der Wohnung zerstört, unter anderem eine Glastüre. Nachdem er gegangen war „habe ich den Türrahmen aus dem Fenster geworfen, damit sich der Hund nicht verletzt“, schilderte sie ihre offenbar ganz normale Entsorgung von problematischen Abfällen. Sie blieb dabei, dass es Notwehr war. Nach der Tat verließ sie die Wohnung, der Schwerverletzte kroch ihr auf den Gang nach. Dort soll sie laut Zeugenaussage gesagt haben: „Ich stech‘ dich nachher noch fertig ab“.

Ein Urteil der Geschworenen wird für Mittwoch erwartet.

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