26.10.2020 23:45 |

Raiffeisen-General

Martin Schaller: „Lage besser als die Stimmung“

Der steirische Raiffeisen-Generaldirektor Martin Schaller im „Steirerkrone“-Interview anlässlich der Oktobergespräche, die derzeit Corona-bedingt statt des klassischen Weltspartags über die Bühne gehen.

„Krone“: Stolze 17 Milliarden Euro liegen aktuell auf den Spar- und Girokonten der steirischen Raiffeisen-Kunden - nur 14 Prozent davon sind aber in Wertpapieren veranlagt. Warum scheuen sich die Steirer offensichtlich noch immer davor davor, ihr Geld etwa in Aktien zu veranlagen?
Martin Schaller: Gerade in Zeiten der Krise, wo Unsicherheit am Markt herrscht, hat man das Geld eben gerne jederzeit bereit, jederzeit behebbar, vom Konto oder vom Sparbuch. Bei höherwertigen Veranlagungen gibt es also sicher noch viel Potenzial. Aber in Krisenzeiten ist die Sicherheit und tägliche Verfügbarkeit auch ein großer Wert.

Ist durch die Krise auch das Bargeld wieder modern geworden?
Interessanterweise sehen wir da zwei unterschiedliche Strömungen. Auf der einen Seite sind die digitalen Zahlungen so hoch wie noch nie, sie haben sich während der Krise um 30 Prozent erhöht. Wir haben in der Steiermark täglich 100.000 Zahlungen mit Karte oder Handy. Das ist schon ganz gewaltig. Die Bargeldbehebungen am Bankomaten sind zum Zeitpunkt des Lockdown im April um 50 Prozent zurückgegangen - jetzt feiern sie aber ein großes Comeback, sind fast schon wieder auf Vorkrisen-Niveau. Man sieht also: Beides ist wichtig. Das Bargeld auf der einen Seite und die digitalen Möglichkeiten auf der anderen Seite.

Bei 17 Milliarden Euro allein auf den Raiffeisen-Konten könnte man meinen, dass es den Steirern trotz Krise eigentlich ganz gut geht, oder?
Es geht den Steirern viel besser, als die aktuelle Stimmung es vermuten lässt. Es ist leider so, dass im Moment der Pessimismus überwiegt. Wir kennen die Situation ja seitens unserer zahlreichen Firmen- und Privatkunden. Wir wissen also, dass die Lage besser ist als die Stimmung. Und daher ist es enorm wichtig, einen gewissen Optimismus zu verbreiten.

Ist da nicht gerade die Politik besonders gefordert, mit Optimismus voranzugehen?
Auf der einen Seite ja. Aber natürlich ist es im Moment auch wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, um die gesundheitliche Lage zu stabilisieren. Sicher, wenn wir in der Früh aufwachen und in den Nachrichten schon wieder von neuen Rekordzahlen hören, ist das nicht unbedingt ermutigend. Aber wenn man eben in die Unternehmen hineinschaut und zur Bevölkerung reinschaut, dann sehen wir: Es ist besser als wir glauben.

Wie sind Ihrer Meinung nach die Industriebetriebe in der Steiermark aufgestellt, um diese Wirtschaftskrise zu bewältigen?
Grundsätzlich ist die steirische Industrie sehr gut aufgestellt, das liegt auch an ihrer Struktur. Wir haben exportorientierte Technologieführer und gute Technologie vor Ort - und zukunftsweisende Technologien werden immer wichtig und notwendig sein. Natürlich gibt es Branchen, die stärker betroffen sind, und jene, die weniger betroffen sind. Was aber entscheidend ist: Wir haben in der Steiermark sehr viele, sehr starke Mittelständler und Familienunternehmen. Und gerade diese Betriebe sind in Krisenzeiten das Rückgrat der Konjunktur und der steirischen Wirtschaft.

Das größte Projekt im heurigen Jahr war für Ihr Haus sicher die Verschmelzung mit der Hypo-Landesbank. Ist hier alles auf Schiene?
Wir werden mit Beginn 2021 die Hypo-Filialen sukzessive an Raiffeisen übergeben, sodass wir aus heutiger Sicht Mitte 2021 den Fusionsprozess vollständig abgeschlossen haben. Man darf ja nicht vergessen, dass damit auch ein enormer technischer Aufwand verbunden ist. Aber wir sind voll auf Schiene und davon überzeugt, unsere Kunden künftig noch besser betreuen können. Für die Hypo-Kunden wird sich nichts ändern, ihr Hypo-Kundenbetreuer wird sie zur Raiffeisenbank begleiten und dort ihr Raiffeisen-Betreuer werden - weil wir auch wissen, dass das Bankgeschäft sehr personenbezogen ist.

Wie sieht es für die über 200 Hypo-Mitarbeiter aus?
Es ist eine Fusion wie jede andere. Manche Hypo-Filialen werden zu den regionalen Raiffeisenbanken am Land gehen - hier wird das Personal übernommen, weil die Raiffeisenbanken ja auch Kundenbetreuer brauchen. Und die Hypo-Mitarbeiter der Zentrale in Graz werden ebenfalls eins zu eins übergeführt. Natürlich ist es aber so - und das betrifft ja die gesamte Bankenlandschaft - dass wir uns im im Zuge der Transformation und Digitalisierung zum Teil sicherlich neu aufstellen müssen.

Zur Neuaufstellung gehört wohl nicht mehr der aktuelle Hypo-Vorstand mit Martin Gölles und Bernhard Türk, oder?
Wir machen jetzt einmal die Fusion. Und ich bin überzeugt davon, dass die beiden Herren eine sehr wichtige und gute Aufgabe finden werden.

In den Reihen der Raiffeisenlandesbank?
Das wird man sehen.

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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