27.10.2020 10:00 |

Der Widerstand wächst

Achter Elternverband in Tirol kritisiert Maßnahmen

Die Riege jener Elternvereine in Tirol, die sich - wie mehrmals berichtet - gegen das „Distance Learning“ auflehnen, wird immer größer. Nun reihen sich auch die Eltern der Oberstufe des Akademischen Gymnasiums Innsbruck ein. Sie sind bereits der achte (!) Elternverband in Folge, der herbe Kritik an den derzeitigen Corona-Maßnahmen übt. 

„Mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass es als erstes unsere Jugendlichen trifft, wenn die Maßnahmen gegen das Coronavirus verschärft werden. Nach Umschalten der Schul-Ampel auf orange wird den Jugendlichen nach nur fünf Wochen Schule der Präsenzunterricht - selbst im Schichtbetrieb - verweigert. Das kann nicht der richtige Weg sein, denn lediglich fünf Prozent der Cluster entstehen in Schulen, und nur ein Fünftel aller Schüler besucht die Oberstufe. Diese Maßnahme zielt also auf ein Prozent der möglichen Clusterbildung ab und kann daher kaum Wirkung erzeugen“, schreiben sie.

„Das ist nicht sinnvoll, geschweige denn notwendig“
Aktuelle Fälle am Akademischen Gymnasium Innsbruck haben sogar gezeigt, dass in der Schule selbst keine einzige Infektion übertragen worden sei. „Die seit Schulbeginn getroffenen Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung, schließlich sind nur zwei Promille aller Tiroler Schüler positiv getestet und es ist daher nicht sinnvoll, geschweige denn notwendig, den Präsenzunterricht komplett zu stoppen“, formulieren die Vertreter.

„Soziale Kontakte sind wichtig!“
Homeschooling sei jedenfalls kein Ersatz für Präsenzunterricht, weder was die Wissensvermittlung noch das soziale Lernen betreffe. „Die Universität Innsbruck hat eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass junge Menschen besonders belastet von der Situation sind, da sie wenig Krisenerfahrung haben. Soziale Kontakte sind wichtig! Wenn diese zumindest in der Schule möglich sind, werden die Jugendlichen eher bereit sein, außerhalb darauf zu verzichten, wo es zu einer weit höheren Durchmischung sozialer Gruppen kommt“, betonen die Eltern.

„Unsere Schüler sind noch nicht auf der Universität, sondern in der Pubertät“
„Weiters verstehen wir nicht, warum es nicht mehr Online-Unterricht gibt. Nur in manchen Schulen gelingt die Umsetzung teils sehr gut. Offensichtlich ist es im Sommer nicht gelungen, den Aufholbedarf für digitalen Unterricht zu decken“, heißt es, „auf längere Zeit ist es jedoch kein adäquater Ersatz, wenn Wochenpläne mit Arbeitsaufträgen verschickt werden. Denn diese werden von den Schülern nicht ernst genommen bzw. sind sie damit überfordert, da sie ja schließlich noch nicht auf der Universität, sondern in der Pubertät sind.“

„Es geht um die zukünftigen Leistungsträger unserer Gesellschaft“
Ihre Abschlussworte richten sich an die politischen Verantwortlichen: „Wir sehen Ihre Aufgabe nicht nur darin, sich für den Tourismus und die Wirtschaft einzusetzen, sondern vor allem auch darin, dass die Bildung unserer Jugend selbst in Krisenzeiten einen höheren Stellenwert erhält. Wir erwarten uns demgemäß, dass die Schüler auch während einer Pandemie den bestmöglichen Unterricht erhalten, schließlich geht es ja um die zukünftigen Leistungsträger unserer Gesellschaft.“

Diese sieben Elternvereine erhoben bereits ihre Stimme
Wie berichtet, haben sich in den vergangenen Wochen auch sieben weitere Elternvereine gegen die Maßnahmen aufgelehnt. Zu ihnen zählen: Elternverein des Realgymnasiums Schwaz, Elternverein des Gymnasiums Landeck, Elternverein des Gymnasiums Ursulinen in Innsbruck, Elternverein des Bundesrealgymnasiums Innsbruck Adolf-Pichler-Platz, Elternverein der Ferrarischule in Innsbruck, Elternverein des Gymnasiums Sillgasse und der Elternverein von der HTL Anichstraße in Innsbruck. 

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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