25.10.2020 11:00 |

Anwälte auf Touren

Hohe Scheidungsrate: Die Tricks der Ehebrecher

Ihre Worte treffen auf Gegner wie Giftpfeile, ihre Klienten schwören auf sie, und gerade hat sie, wie ihre Scheidungsanwälte-Kollegen, Hochsaison: Mariza Kolar-Syrmas erzählt uns von roten Tennissocken und Streit ums Geld.

„Wenn mir einer mit der Keule kommt, kann ich nicht mit dem Degen antworten.“ - Schlüssig erklärt Maria Christina „Mariza“ Kolar-Syrmas, warum sie schon gelegentlich spitze Worte statt feiner Klinge verwendet und dafür auch berühmt-berüchtigt ist. Bekannt ist sie darüber hinaus aber auch für ihren eleganten Stil; nie scheint sie etwas aus der Fassung zu bringen. „Das ist vielleicht nach außen hin so, aber oft genug ,koche’ ich innerlich“, sagt die Grazerin. „Aber in erster Linie bin ich ein Mensch. Und natürlich berührt es mich, wenn ein Scheidungskrieg hässlich wird oder vor allem, wenn Kinder involviert oder die Leidtragenden sind.“

Im Moment hat sie Hochsaison wie kaum zuvor: „Im September allein hatte ich sicher ein Viertel mehr Fälle als sonst, der Oktober wird nicht anders ausfallen.“ Obwohl sie einen Fokus derzeit auf beratende Gespräche legt, auf Mediation, auf freundliche Beilegung, bevor es zum Verfahren kommt.

So viele Ehen werden heutzutage geschieden, warum? „Darin spiegelt sich die Gesellschaft wider. Es ist alles so schnelllebig geworden, man gibt eine Beziehung heute vielleicht auch schneller auf als früher einmal. Wegwerfgesellschaft. Freilich, und das ist ein ganz wichtiger Punkt: Früher waren Frauen auch oft gezwungen, wegen finanzieller Abhängigkeit in einer Ehe zu verbleiben. Heute fällt dieser Grund vielfach weg, weil sie Abhängigkeit ablehnen.“

Aus ihrer Erfahrung die häufigsten Gründe fürs Ehe-Aus? „Mangelnder Respekt und herabwürdigendes Verhalten, keine Wertschätzung für den anderen. Der zweite Hauptgrund aus meiner Sicht ist der Streit ums Geld. Gefolgt von Seitensprüngen.“

Bei Dritterem nehme sie Frauen gar nicht aus - aber Männer, sagt Kolar-Syrmas, würden in Sachen Einfallsreichtum „manchmal den Vogel abschießen. Immer, wenn ich denke, ich hätte in meinen vielen Berufsjahren alles erlebt, kommt was, das einen staunen lässt.“

Wie jener Steirer, der von einer angeblichen Geschäftsreise - die sich später als Strandurlaub mit der Affäre herausstellte - braungebrannt zurückkam und behauptete, dass er dort wegen des schlechten Wetters täglich im Solarium war. Der, der Stunden nach Hause unterwegs war, weil „schon wieder der Gleinalmtunnel gesperrt“ wäre. Oder jener, der das Scheidungsurteil eines Bekannten gefälscht und dessen Namen durch seinen ersetzt hatte, um der Freundin zu beweisen, dass er ungebunden sei.

Verschwitzte Tennissocken mit rotem Rand

Mariza Kolar-Syrmas: „Sehr interessant war auch der Steirer, der angab, dreimal in der Woche Tennis zu spielen; und sich, um das zu ,beweisen’, verschwitzte Socken mit rotem Sandrand von einem Freund auslieh. „Dass jemand Fische kauft, weil er tagelang angeblich angeln war - ohne Worte. “Bei Frauen müssen erfahrungsgemäß öfter Freundinnen als Alibi herhalten.“

So viel Energie, um Doppelgleisigkeiten zu verschleiern, „ich denke mir oft, wenn man die in die Beziehung stecken würde, würde manches anders laufen“.

Dass es heuer aber gleich so viele Fälle gab, hänge, natürlich, mit dem wochenlangen Lockdown zusammen: „Wenn man länger zusammenpickt, wird einem drastisch vor Augen geführt, dass oder was an der Beziehung nicht mehr passt. Dazu fallweise der Frust, weil man nicht zur außerehelichen Affäre konnte.“

Nie zur Gewohnheit werden

Sie selbst ist, in zweiter Ehe, glücklich verheiratet. Ihr Credo: „Man darf für den Partner nie zur Gewohnheit werden und muss immer ein bissl überraschend bleiben.“

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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