4 € Lohn, Überstunden

Marchfelder Gemüsebauer beutete Erntehelfer aus

In Niederösterreich steht ein Marchfelder Gemüsebauer im dringenden Verdacht, seine Erntehelfer regelrecht ausgebeutet zu haben. Ihm wird seitens der Finanzpolizei „massives Lohn- und Sozialdumping“ vorgeworfen. So mussten Helfer etwa statt der offiziellen 40 Stunden teils mehr als 100 Stunden pro Woche arbeiten - für einen Hungerlohn von nur vier Euro die Stunde.

Wie die Finanzpolizei am Sonntag auch via Facebook mitteilte, sei der Betrieb am Sonntag vor einer Woche kontrolliert worden. Zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Arbeiter - 23 an der Zahl - anwesend, um Gemüse in einer Halle zu verpacken.

Die Liste der Vergehen, die bei der Kontrolle zutage traten, ist lang. „So lagen in zwölf Fällen weitaus verspätete Anmeldungen bei der Sozialversicherung von bis zu sechs Wochen vor und in einem Fall erfolgte überhaupt keine Anmeldung“, heißt es. In letzterem Fall wurde dies damit begründet, dass der Mitarbeiter zur Einschulung vor Ort gewesen sei - allerdings hatte er bereits „in der Vergangenheit im Betrieb“ gearbeitet.

Zitat Icon

Diese schwarzen Schafe beuten Arbeiter aus, schädigen den Ruf aller redlichen Unternehmer und bereichern sich auf Kosten der anständigen Steuerzahler.

Finanzminister Gernot Blümel

„Teilweise nur den halben Kollektivvertrag ausbezahlt“
Doch damit nicht genug: „Keiner der Erntehelfer wurde gerecht für seine Leistung bezahlt“, erklärte dazu Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). „Teilweise hat der Unternehmer nur den halben Kollektivvertrag ausbezahlt. Diese schwarzen Schafe beuten Arbeiter aus, schädigen den Ruf aller redlichen Unternehmer und bereichern sich auf Kosten der anständigen Steuerzahler“, so der Minister entrüstet. So erhielten die Arbeiter etwa rund vier Euro pro Stunde, der gesetzliche Kollektivvertrag allerdings schreibt rund acht Euro vor.

Anhand von Stundenlisten betreffend das laufende Jahr 2020 ging zudem hervor, dass die Arbeiter mehr als doppelt so viel Stunden pro Woche arbeiten mussten als offiziell angegeben - statt 40 Wochenstunden waren es teils mehr als 100, berichtete die Finanzpolizei weiter. Von den 23 Arbeitern hätte es sich bei 21 um Drittstaatsangehörige gehandelt, die über kaum vorhandene Deutschkenntnisse verfügen.

„Wir werden weiter hart durchgreifen“
Auf den Unternehmer kommen nun mehrere Verfahren zu, ihm drohen hohe Geldstrafen und sogar auch Haftstrafen. Der Strafrahmen für Sozialbetrug: bis zu sieben Jahre Gefängnis. „Ich habe null Toleranz für Lohndumping und Sozialbetrug und wir werden hier weiter hart durchgreifen“, stellte der Finanzminister klar.

Christine Steinmetz
Christine Steinmetz
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mittwoch, 23. September 2020
Wetter Symbol
Niederösterreich Wetter
14° / 21°
Gewitter
15° / 20°
Gewitter
15° / 24°
einzelne Regenschauer
14° / 23°
einzelne Regenschauer
10° / 19°
Gewitter
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.