07.09.2020 15:21 |

Karwendelgebirge

Abgängiger Alpinist nach 3 Tagen lebend gefunden

Ein Rucksack als Lebensretter: Nach unzähligen Stunden der Suche im Karwendelgebiet erspähten Bergretter Montagmittag vom Helikopter aus einen Rucksack in einer Steilrinne. Die Einsatzkräfte gingen der Spur nach und fanden einen seit Samstag als vermisst gemeldeten 40-jährigen Deutschen. Der Mann war extrem erschöpft und kaum ansprechbar - aber am Leben. Der Alpinist dürfte eine Horde an Schutzengeln gehabt haben. Die Einsatzkräfte sprechen vom „Wunder von Schwaz“.

Beinahe zeitgleich sind zwei deutsche Alpinisten, die unabhängig voneinander im Karwendelgebiet in Tirol zu Touren aufgebrochen waren, am Samstag von ihren Ehefrauen als vermisst gemeldet worden, die „Krone“ berichtete. Die Bergrettung startete Sonntagvormittag eine groß angelegte Suche - und fand gegen Mittag einen unterkühlten, aber unverletzten 48-jährigen Deutschen. Der zweite, ein 40-jähriger Deutscher, konnte am Sonntag nicht mehr gefunden werden. Der Einsatz wurde aufgrund des schlechten Wetters eingestellt und am Montagmorgen wieder aufgenommen. 

Alpinist verirrte sich immer weiter
„Niemand hat damit gerechnet, den Mann lebend zu finden“, sagt Alpinpolizist Markus Trenner. Man sei auf das Schlimmste vorbereitet gewesen. Denn bereits am Freitag war der Wanderer in der Eng gestartet und zur Hochglückspitz aufgestiegen - „sein Handy hatte er im Auto gelassen, da er im Gebirge ohnehin keinen Empfang gehabt hätte“, erklärt der Polizist. Am Samstag wollte der Deutsche eigentlich nach München zurückkehren, doch dann kam alles anders: „Zwischen Kaiserkopf und Huderbankspitze verirrte er sich“, erklärt Trenner. Er verbrachte die Nacht in seinem Biwak, versuchte es am nächsten Tag erneut - und kam dabei immer weiter vom Weg ab.

Kein Proviant mehr
Zu allem Unglück drehte sich das Wetter, wurde zunehmend schlechter. „Dem Mann ging der Proviant aus. Er hatte weder zu essen noch zu trinken“, schildert der Polizist. Der 40-Jährige sei dann durch eine steile Rinne abgestiegen und habe dort seinen Rucksack samt blauen Regenschutz platziert, während er selbst in einem Latschenfeld Unterschlupf suchte. Inzwischen suchten unzählige Bergretter und Alpinpolizisten nach ihm, doch die Suche musste wegen des Wetters immer wieder unterbrochen werden.

Montagmittag schließlich die rettende Sichtung: „Wir haben den Rucksack gesehen und konnten das Suchgebiet eingrenzen“, sagt der Alpinpolizist. Mit Erfolg: Kurz darauf konnte der Mann von zwei Bergrettern gefunden werden. „Er war komplett entkräftet und unterkühlt - aber am Leben“, schildert Trenner.

„Das Wunder von Schwaz“
Drei Tage lang hatte er im Latschenfeld ausgeharrt. Er wurde ins Krankenhaus Schwaz eingeliefert. Dass er überlebt hat, wird zum „Wunder von Schwaz“ und ist für die Retter „der Grund, warum wir diesen Job machen.“

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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