22.08.2020 14:00 |

„Bleibt nichts übrig“

Wolf in Tirol: Wieder verfrühter Almabtrieb

Der Widerstand der Bauern gegen den Wolf, der seit Wochen sein Unwesen treibt, wächst kontinuierlich. Immer mehr Landwirte treiben - wie berichtet - ihre Tiere verfrüht ins Tal. In diese Kette reihen sich nun auch die Tiroler Familien Knapp und Schweiger aus Weer- bzw. Kolsassberg: „Uns bleibt leider nichts anderes übrig.“

Mittwochnachmittag auf der Grafensalm im Gemeindegebiet Kolsassberg: Zahlreiche Schafe sind auf der Weide zu bestaunen. Sie fressen genüsslich das Gras und sehen zufrieden aus. Weniger glücklich sind deren Besitzer Hermann (56), Andreas (31) und Florian (27) Knapp sowie Josef Schweiger (46). Denn sie müssen noch an diesem Tag ihre Tiere von der Alm abtreiben.

„Auf der Nachbarsalm gab es kürzlich Schafsrisse, vieles deutet auf einen Wolf hin. Die Besitzer haben uns gewarnt, wir handeln nun. Wir können es nicht verantworten, dass auch unsere Schafe elendig zugrunde gehen“, sagt Andreas Knapp, Obmann vom Bergschaf-Zuchtverein Weerberg.

„Wie weit haben wir es im Land Tirol gebracht?“
Die Familie züchtet selbst Schafe – und zwar bereits seit Generationen. „Auf einen Schlag werden durch einen einzigen Wolfsangriff jahrzehntelange Zuchtlinien ausgelöscht. Was mein Großvater im Jahre 1953 angefangen hat, bringt man nicht mehr so schnell her“, schildert der 31-Jährige.

Das bäuerliche Familiengespann treibt die Tiere für den vorzeitigen Almabtrieb zusammen. „Das Herz tut dabei schon weh. Denn wir müssen die Schafe vom schönsten Gras ins Tal bringen und dort der Hitze aussetzen. Dabei könnten sie noch Wochen hier heroben eine schöne Zeit haben und einen wichtigen Beitrag für die Almwirtschaft leisten“, erklärt der Jungbauer.

Er ist verärgert, dass auf politischer Ebene nichts passiert: „Wir werden von unserem eigenen Grund und Boden aus Angst vor dem Beutegreifer vertrieben. Wie weit haben wir es im Almen- und Tourismusland Nummer eins, in dem noch dazu die Tradition sehr hoch geschrieben wird, gebracht? Was muss noch alles passieren, damit endlich eingegriffen wird? Wo ist hier der Tierschutz? Dieses Verhalten ist unverantwortlich.“

„Keiner wird seine Tiere mehr auf Almen treiben“
Die Causa werde sich in einigen Jahren zu einem gesellschaftspolitischen Thema und zu einem Problem für ganz Tirol entwickeln. „Unser Land lebt von der wunderschönen Landschaft, aber die wird es nicht mehr geben. Es wird keiner mehr dazu bereit sein, seine Schafe und Kühe auf der Alm dem Wolf zum Fraß vorzuwerfen“, betont der Tiroler.

Es sei verständlich, dass man den Schutzstatus des Beutegreifers nicht von heute auf morgen abschaffen könne. „Aber wenn die Politiker nichts dagegen unternehmen, wird nie etwas passieren. Der Herdenschutz ist jedenfalls keine Lösung“, betont Knapp.

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