18.08.2020 13:00 |

Verfolgte Künstler

Die Leiden in Steine gemeißelt

Das „Personenkomitee Stolpersteine“ hat am Montag 28 neue Stolpersteine auf dem Max-Reinhardt-Platz vor dem Haus für Mozart verlegt. Besonders im Fokus stehen jene Festspiel-Künstler, die 1933 aus Deutschland geflüchtet waren und nach dem Anschluss 1938 vertrieben oder ermordet wurden.

„Das Jubiläum ist der richtige Anlass für die Festspiele, um über die eigene Geschichte zu reflektieren“, sagt einer der Initiatoren Thomas Randisek. Der Historiker Gert Kerschbaumer recherchierte die Biografien der Festspielkünstler, die nun in den Steinen verewigt sind. „Wir mussten eine Auswahl treffen. Sonst würden hier rund 60 Steine liegen.“

Der Verein wollte die Zeit von 1933 bis 1938 in den Blick rücken. „Viele dieser Künstler mussten zuvor aus Deutschland flüchten, prägten dann die Festspiele. Die Nazis vertrieben oder ermordeten sie nach dem Anschluss“, erzählt Kerschbaumer.

Neben Festspielgrößen wie Arturo Toscanini, der 1937 in die USA emigrierte, liegen auch weniger bekannte Künstler. Beispiel: Die jüdische Sängerin Margit Bokor. Sie 1934 debütierte bei den Festspielen. Nach dem Anschluss konnte sie nach Amerika flüchten. Dort ergatterte sie Opernengagements. Andere hatten weniger Glück. Die Nazis brachten die Violinistin Alma Rosé ins KZ Auschwitz. Dort leitete sie das Orchester, bevor sie 1944 an einer Krankheit verstarb. Eine ihrer damaligen Musikerinnen war Anita Lasker-Wallfisch. Sie berichtete erst am Samstag in einer Festspielrede über die Zeit im Lager. Von ihr stammt auch das Zitat über Rosé: „An ihrer Wiege stand Gustav Mahler, an ihrer Bahre Josef Mengele.“ 

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