25.07.2020 09:04 |

Online-Plattform

Betrüger spielen mit falschen Festspielkarten

Die Internetplattform Viagogo ist eine Festspielfalle: Verkäufer bieten dort ungültige Tickets für das Sommerfestival zu horrenden Preisen an. Und: für viele Veranstaltungen, die heuer wegen Covid-19 überhaupt nicht stattfinden! Die Festspiele haben eine einstweilige Verfügung erwirkt. Viagogo hat bislang nicht reagiert.

„Wir haben im Dezember entdeckt, dass die Plattform Karten für den Sommer ausgibt. Da waren wir noch nicht einmal im Verkauf“, erzählt der kaufmännische Direktor des Festivals Lukas Crepaz. Das Direktorium sammelte Beweise, machte Screenshots und kaufte gefälschte Tickets. „Im Jänner beschwerten sich dann erste Festspielinteressierte, die Karten überteuert gekauft hatten“, erzählt Crepaz

Dann kam Covid-19. Die Situation wurde immer absurder: Die Plattform bietet bis heute Tickets für abgesagte Produktionen an. Beispiel: Eine vermeintliche „Don Giovanni“-Vorstellung am 31. Juli. Sechs Tickets seien übrig. Der Preis rangiert zwischen 1433 Euro und 1911 Euro. Auf Viagogo finden sich aber auch reale Termine – zu Preisen aus einer anderen Welt. Eine Karte der Kategorie 1 für die Oper „Elektra“ am 1. August kostet 1553 Euro. Bei den Festspielen 445 Euro. Am 26. Juni brachte das Festival die Beweise beim Handelsgericht in Wien ein. Am 6. Juli erwirkte es eine einstweilige Verfügung.

Die wurde dem Unternehmen am Donnerstag in die Schweiz zugestellt. Bisher ist nichts passiert. Auf der Webseite sieht es aus wie zuvor. Die Plattform verschweigt Kunden auch, dass die Festspiele die Karten heuer wegen Covid-19 personalisieren. Mit Viagogo-Tickets kann es gar keinen Zutritt geben! Und: Im Gegensatz zu einer Plattfrom wie Ebay bleiben die Verläufer anonym. Betrugsopfer haben oft Probleme, ihr Geld zurückzubekommen. Viagogo: Verkäufer würden erst dann bezahlt, wenn die Kunden Zutritt zur Veranstaltung bekommen hätten. Daher gebe es keinen Anreiz für Betrüger, falsche Karten anzubieten. Fake-Tickets würden rückerstattet.

Viagogo schweigt zur einstweiligen Verfügung
Man kann das Dokument derzeit nicht kommentieren, schreibt ein anonymer Sprecher. Viagogo wolle falsche Angebote, sobald bekannt, von der Webseite löschen. Auch Crepaz will was: „Festspielinteressierte vor unlauteren Methoden schützen!“ Und: Es gebe noch für alle Produktionen Karten, außer für den Jedermann. „Das ändert sich aber laufend, da auch Tickets zurückgegeben werden. Man sollte sich online aktuell erkundigen.“ Aber nur auf der Webseite der Festspiele, versteht sich.

Christoph Laible
Christoph Laible
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