13.07.2020 17:00 |

Eglo-Gruppe

„Wurden zum größten Anbieter in Europa“

Der CEO der Eglo-Gruppe, René Tiefenbacher, erzählt im Interview mit der „Krone“, wohin der Trend bei Beleuchtungen geht, welche Investitionen in diesem Jahr anstehen und wie es dem Unternehmen in der Krise erging. 

Einen Umsatz von 534,6 Millionen Euro und somit den besten Wert seit der Gründung konnte die Gruppe im vergangenen Jahr erzielen. Für 2020 rechnet Tiefenbacher wegen der Krise mit einem leichten Rückgang. Trotzdem wird in Magdeburg in den bisher größten Logistikstandort investiert.

Krone: Die Eglo-Gruppe feierte 2019 ihr 50-jähriges Bestandsjubiläum. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Tiefenbacher: Vor 23 Jahren, als ich im Unternehmen anfing, hatten wir drei bis fünf Verkaufsgesellschaften, heute haben wir über 50. Hinzu kommen noch 20 Logistikgesellschaften und Holdings. Der Umsatz war damals, in Euro umgerechnet, unter 50 Millionen. Im Vorjahr hatten wir knapp 535 Millionen Euro, also mehr als zehnmal so viel. Wir konnten von einem regionalen Anbieter in Tirol zum größten Anbieter von Beleuchtungen in Europa werden. Potenzial gibt es aber noch in Afrika, Asien und Amerika.

Wird 2020 aufgrund der Corona-Krise finanziell das schwierigste Jahr werden?
Durch den Lockdown Mitte März hatten wir massive Rückgänge beim Umsatz. Bis Ende April brachen sie um 50 Prozent ein. Unsere größten Abnehmer - Baumärkte und Möbelhäuser - mussten alle schließen. So blieb nur mehr der Online-Handel. Der hat die Situation nur minimal abgefedert. Mit der Öffnung der Märkte entwickelt es sich jetzt wieder besser. Seit fünf Wochen haben wir sehr gute Auftragseingänge. Betrachtet man nur den Juni, liegen wir mit dem Umsatz höher als in den Jahren zuvor. Die meisten Umsätze generieren wir generell in der dunklen Jahreszeit - ab September. Wir sprechen also nicht von einem Krisenjahr und erwarten uns relativ geringe Verluste. Die Finanzkrise traf uns da weitaus härter.

Wie ist das Unternehmen mit der Krise umgegangen?
Wir haben auch die Option zur Anmeldung der Kurzarbeit genutzt. Mit Ende Mai konnten wir sie wieder beenden und es musste auch niemand gekündigt werden. In China und Indien wurden die Werke vorübergehend geschlossen.

Wohin geht der Trend bei der Beleuchtung?
Es geht einerseits in Richtung „Smart Lighting“, also die Steuerung mit dem Smartphone, Tablet oder der Fernbedienung. Andererseits geht es in Richtung Vintage und „back to the routs“. Viele alte Materialien, die neu verarbeitet werden, kommen wieder. Früher war Licht rein funktional. Heute ist es oft auch ein gestalterisches Element.

Welche neuen Produkte sind in Entwicklung?
Wir versuchen natürlich, allen möglichen Trends zu folgen. Eglo ist aber auch ein Massenvermarkter. Die Produkte müssen in recht großer Stückzahl gefertigt werden. Den Geschmack der breiten Masse zu treffen, ist daher das vorrangige Ziel. Es gibt aber auch Produkte mit exotischem Charakter. Derzeit nehmen wir Ventilatoren ins Sortiment auf, mit und ohne Beleuchtungselement. Durch die kürzlich erfolgte Beteiligung an der schwedischen Firma „Star Trading“ wird es ab nächster Saison auch Weihnachtsbeleuchtungen geben.

Werden Sie noch bei anderen Unternehmen einsteigen?
Mit Ende September wird eine Firma aus Frankreich in unser Eigentum übergehen, die für die Entwicklung unserer App-Steuerung auf Seiten der Hard- und Software zuständig ist. Im Bereich „Smart Lighting“ wollen wir nicht mehr von Anbietern abhängig sein, die auch Mitbewerber bedienen.

Welche Investitionen tätigt die Eglo-Gruppe im laufenden Geschäftsjahr?
Wir nehmen dieses Jahr 33,3 Millionen Euro in die Hand. In Magdeburg entsteht ein neues Logistikzentrum. Das wird unser größter Logistikstandort werden. Wir reden dabei von einem Hochregallager mit 40 Meter Höhe und 136 Meter Länge. Es wird Platz für 70.000 Europaletten haben. Das ist die größte Investition in diesem Jahr. Eine weitere nehmen wir hier am Standort in Pill vor, wo ein Parkhaus entstehen wird.

Wie heben Sie sich von der Konkurrenz ab?
Vor allem mit der Vielfalt der Produktpalette. Es gibt keinen Anbieter im Vollsortiment-Bereich, dessen Sortiment auch den regionalen Gegebenheiten Rechnung trägt. Geschmäcker sowohl in als auch außerhalb Europas sind ja sehr unterschiedlich. Weiters sind wir die einzigen, die drei eigene Produktionsstätten haben. Rund 70 Prozent der Artikel produzieren wir selbst. Der Rest wird zugekauft. Nicht zuletzt sind wir auch die einzigen, die über ein eigenes Logistiknetz verfügen. Wir haben heute weit über 200.000 Lagerplätze für Europaletten. Ich glaube auch, dass wir es auf der Design-Ebene geschafft haben, den Geschmack der Zeit zu treffen. Eine dauernde Herausforderung ist es aber, einen neuen Trend nicht zu verpassen. Da geben wir uns wirklich sehr viel Mühe.

Zur Eglo-Gruppe:

  • Gründung im Jahr 1969
  • Erste Vertriebsgesellschaft 1986 in Deutschland
  • Im ungarischen Pásztó entsteht 1994 das erste Werk
  • Seit 2001 Werk in China
  • 2006 begann der Einstieg in die LED-Technologie
  • Ab 2016 wird an „Smart Lighting“ gearbeitet
  • Seit 2017 Standort in Indien
  • 50-Jahr-Jubiläum 2019
  • 534,6 Millionen Euro Umsatz 2019
  • 325 Mitarbeiter in Pill
  • 5000 Mitarbeiter weltweit
  • 33,3 Millionen Euro Investitionsvolumen für das laufende Jahr
  • 80.000 verkaufte Produkte pro Tag in über 133 Ländern
Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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