29.06.2020 17:00 |

Ex-Bergbahnchef Burger

„Das Loslassen ist mir schon gut gelungen!“

Abschiedsgala und große Feiern blieben aus: Am Höhepunkt der Corona-Krise musste sich Kitzbühels Ex-Bergbahnchef Josef Burger (68) in die Pension verabschieden. Die tägliche Sieben-Kilometer-Joggingrunde daheim in Westendorf hat den ehemaligen Spitzenmanager bei AUA, Tyrolean, in der Reisebranche und bei der Bergbahn Kitzbühel schlank gemacht. Im Interview spricht er über Karrierehöhepunkte, Krisen und warum er zu seinen Emotionen steht. Er prägte eine Ära des Erfolges - jetzt will er kein Amt mehr.

„Krone“: Herr Burger, Sie mussten das Steuerrad übergeben, nachdem die Bergbahn 14 Tage zuvor in den Corona-Sturm geraten war - wie fühlte sich diese Konstellation an?
Burger:
Der 1. April war als Pensionsdatum fix. Ich habe aber noch das Kurzarbeitsmodell mitgetragen und wir haben ein Worst-Case-Szenario ausgearbeitet - Stillstand bis 30. November mit 14 Millionen Euro Einnahmenverlust. Die Bergbahn hätte das überlebt. Zum Glück ist das nicht passiert.

Von der Schließung aller Tiroler Bergbahnen haben Sie am Nachmittag des 13. März von der „Krone“ erfahren und im ersten Augenblick verständnislos reagiert. Wie sehen Sie das heute?
Die Schließung war alternativlos, keine Frage. Aber die Information lief damals sicher nicht ideal. Wir wussten offiziell nicht, dass etwas Großes auf uns zurollt.

Wird der Tourismus nun längerfristig leiden?
Ich bin Realist und Optimist zugleich. Es gibt einerseits Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und materielle Sorgen bei den potenziellen Urlaubern. Andererseits unsere Natur, unsere Gastlichkeit und die Chance, wieder Vertrauen aufzubauen. Die Boom-Jahre kommen aber so schnell nicht wieder.

Ihre elfjährige Ära bei der Bergbahn Kitzbühel war von Rekorden geprägt – welche ragen da heraus?
Wir haben den Umsatz um mehr als 50 Prozent auf über 55 Millionen Euro erhöht und insgesamt 225 Millionen Euro investiert. Wir hatten die erste 10er-Kabinenbahn, die schnellste Sesselbahn und das effizienteste Schneemanagement. Ich traue mich zu sagen, dass ich die Bergbahn-Mannschaft zu Siegläufern gemacht habe und trotzdem immer der Mensch im Mittelpunkt geblieben ist.

Heftig umstritten war der Saison-Frühstart im Oktober auf der Resterhöhe. Wie sehen Sie das im Rückblick?
Wir hatten die naturschutzrechtliche Bewilligung und 140.000 Fahrten bis Ende November. Den Starttermin würde ich heute etwas flexibler gestalten, bei 20 Grad noch abwarten.

Der Unterschied zwischen Luftfahrt und Seilbahn ist nicht so groß, das haben Sie immer wieder betont?
Beide Branchen bieten sozusagen ein verderbliches und nicht lagerfähiges Produkt an. Denn der Sitz, der heute leer ist, den kann ich morgen nicht verkaufen. In der Luftfahrt ist die Konkurrenz noch brutaler. Als Bergbahn hat man wenigstens einen Regionsschutz. Niemand kann neben uns eine Billigbahn auf den Hahnenkamm bauen.

Was ist das Geheimnis im Umgang mit Mitarbeitern – etwa wenn ein Pistenraupenfahrer mit einem Anliegen zu Ihnen ins Büro kam?
Der Ton macht die Musik. Ich kann sehr unterschiedlich loben und kritisieren, wenn es etwa um das Problem von Knollen auf der Piste geht. Motivation funktioniert nicht mit blindem ständigem Schulterklopfen. Der Mitarbeiter muss merken, dass ich genau weiß, welche Probleme er meistern muss. Generell galt als mein Führungsmotto, dass alle Mitarbeiter die Entscheidungen mittragen sollten.

In Ihrer Bergbahn-Ära wurden Sie von großen Krisen verschont. In der Luftfahrt war das im Dezember 2004 leider ganz anders . . .?
Sie sprechen die Tsunami-Katastrophe an. Ich bin damals als AUA-Vorstand nach Bangkok, Phuket, auf die Malediven und nach Sri Lanka geflogen, um eine Luftbrücke für Hilfsmannschaften und Rückkehrer zu organisieren – dramatische Tage. Im Vergleich dazu war der Zwischenfall vom Jänner 2018, als sich am Horn eine Gondel im Sturm verkeilte, harmlos. Wir mussten aber mehr als 100 Leute evakuieren. In der Einsatzzentrale war es jedoch ruhiger als bei einer Übung.

Ist es ein Unterschied, ob man in Wien oder Tirol Chef eines Unternehmens ist?
Den Menschen und Mitarbeitern entgegengehen – das funktioniert da und dort. In Wien, als Marketing-Vorstand der AUA, hatte ich die Verantwortung für 2000 Leute in 60 Ländern. Das ist natürlich etwas anderes, als hier in der Region Kitzbühel zu arbeiten.

Sie reagierten oft emotional und gerührt, wenn Großes gelungen ist. Am Ende auch bei der Fleckalmbahn.
Da war mir klar, dass es die Krönung und letzte große Bahneröffnung ist. Das Herz ging mir aber auch auf, als die Lebenshilfe im Aquarena-Restaurant eingebunden wurde, das hat sich bestens eingelaufen.

Welche Ämter wollen Sie künftig noch bekleiden?
Der Aufsichtsrats-Vorsitz im TVB endet bei der nächsten Wahl, ansonsten will ich keine Funktionen mehr. Ich gehe morgens laufen und lese viel. Das Loslassen ist mir schon ganz gut gelungen.

Andreas Moser
Andreas Moser
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