20.06.2020 12:00 |

6 Mio. € Mehrkosten

Beim Haus der Musik auf Kosten gepfiffen

Um mehr als sechs Millionen Euro gesprengt wurde der Kostenrahmen beim Haus der Musik in Innsbruck. Das geht aus einem Bericht des Bundesrechnungshofes hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. Geschlampt wurde aber nicht nur bei den Gesamtkosten, sondern auch bei den Bauarbeiten selbst.

Begonnen wurde mit dem Bau des Hauses am 20. November 2015. Überprüft hat der Rechnungshof in seinem Bericht auch die zwei Jahre davor. Der gesamte Prüfungszeitraum erstreckt sich bis zum Jahr 2018. Prognostiziert waren für den Bau ursprünglich 55,65 Millionen Euro. Diese stiegen letztendlich auf 61,67 an.

„Dies entspricht einer Kostensteigerung von 10,8 Prozent“, ist im Bericht zu lesen. Offenbar wurde auch auf das Vier-Augen-Prinzip vergessen. So beauftragte ein Mitarbeiter des Bauherrn Mehrkosten in Höhe von rund einer Million Euro, ohne seinen Vorgesetzten zu informieren. Als wäre diese Kostenexplosion nicht schon genug Grund zur Aufregung, geht aus dem Bericht weiters hervor, dass bei der Umsetzung der Barrierefreiheit offenbar massiv geschlampt wurde.

Gesetzliche Vorschriften wurden nicht erfüllt
Wie Behinderten-Interessenvertretungen nach Abschluss der Bauarbeiten in den Jahren 2016 bis 2018 feststellten, gab es dort mehrere Mängel. Trotzdem erteilte die Stadt Innsbruck im Oktober 2018 die Bewilligung, das Gebäude zu benützen – ohne Auflagen zur Barrierefreiheit.

Eventuell Schadstoffe in Bauschutt vorhanden
Während der Prüftätigkeit des Rechnungshofes im Jahr 2019 wurden die Mängel bei Handläufen, dem Leitsystem, Türen und Beschriftungen entdeckt. Es folgte umgehend eine Empfehlung: „Die für die Barrierefreiheit noch erforderlichen Maßnahmen zu erheben und rasch umzusetzen.“ Erst zu dem Zeitpunkt begann die Innsbrucker Immobilien GmbH und Co KG (IIG), der die Bauherrenfunktion oblag, mit der Umsetzung. Weiters brisant: Das Gebäude der Stadtsäle, das zuvor auf diesem Grund stand und abgerissen wurde, enthielt vermutlich schädliche Stoffe.

Dazu heißt es in dem Bericht: „Aufgrund einzelner Hinweise war grundsätzlich davon auszugehen, dass im Gebäude der Stadtsäle Schad- bzw. Störstoffe vorhanden waren.“ Die IIG jedoch führte keine entsprechende Überprüfung vor dem Abriss durch und missachtete somit die ÖNORM. „Sie hatte keine Kenntnis, ob beim Abbruch gefährliche Abfälle wie Asbest oder Teer anfielen und wie diese entsorgt wurden“, ist zu lesen. Und noch ein weiteres grobes Versäumnis geht aus dem Bericht hervor.

Beton ist nicht auf Qualität geprüft worden
Die IIG vergas darauf, Qualitätsprüfungen hinsichtlich der Betonqualität von der beauftragten Firma einzufordern sowie die Gleichwertigkeit der Dämmplatten zu überprüfen. Ob der im Haus der Musik eingebaute Beton den Normvorgaben entspricht, ist somit nicht nachgewiesen. Ein Risiko für weitere Mängel. Die Empfehlung des Rechnungshofs an die IIG: „Eine Überprüfung der Qualität des eingebauten Betons durch eine akkreditierte Prüfanstalt.“

Als positiv bewertet der Rechnungshof lediglich die stabile Terminentwicklung ab Herbst 2013. Wobei sich die Fertigstellung trotzdem vom März 2018 auf den Oktober verlagerte.

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