22.05.2020 19:00 |

Demo am Landhausplatz

Schweigender Protest gegen den Kulturtod

Mit sechs Minuten Schweigen machte am Mittwoch die Tiroler Kulturszene am Landhausplatz auf ihre prekäre Situation aufmerksam. 450 Betroffene aus dem ganzen Land nahmen solidarisch daran teil.

Dichte, dunkle Wolken an einem bleigrauen Himmel bildeten Mittwochnachmittag den passenden szenischen Hintergrund zu einer eindringlichen und aufrüttelnden Inszenierung vor dem Befreiungsdenkmal am Landhausplatz. Wie berichtet, rief die Tiroler Künstlerschaft auf, ein weit sichtbares Zeichen zu setzen, um auf ihre durch die Corona-Maßnahmen entstandene prekäre Notsituation hinzuweisen.

Rund 450 von ihnen - Kabarettisten, Kleinkünstler, Sängerinnen und Sänger, Orchestermusiker, Schauspielerinnen und Schauspieler, Beleuchter und Tontechniker, Solisten, Maskenbildner und Kostümschneider, Veranstalter, Vertreter von Kultur- und Theatervereinen - folgten diesem Ruf, um solidarisch sechs Minuten schweigend ihren Protest kundzutun.

Sechs lange Minuten beklemmender Stille
Sechs Minuten können lang und beklemmend werden, wenn kein Geräusch aus einer Masse von Hunderten zu vernehmen ist. Wobei dieses Stille die Forderung, wieder arbeiten zu dürfen, mehr als laut werden ließ. Im Nachhinein scheint es so, als wäre dieser Tag mit einem eigenen Drehbuch geplant geworden.

Hoffen auf baldige erste Lockerungen
Nur wenige Stunden vor dem schweigenden Protest gegen den befürchteten Kulturtod in Innsbruck wurde einige hundert Kilometer entfernt - in Wien - die parteifreie Andrea Mayer als Nachfolgerin von Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek angelobt. Die getreu eines ungeschriebenen österreichischen Gesetzes, das sich „Vorschusslorbeeren“ nennt, vom Präsidenten der Republik folgendermaßen angekündigt wurde: „Eine kompetente Krisenmanagerin, die mit heißem Herzen Kunst und Kultur zugetan ist“.

Inwieweit dies stimmt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen, da eine Verordnung kommen soll, die erste Lockerungen im Kulturbereich vorsieht. Aber die heimische Kulturszene braucht nicht nur umsetzbare Regelungen, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können, sondern sie braucht auch finanzielle Unterstützung, um diese Krise überleben zu können. Demnach kann auch das Schweigen aus dem gegenüberliegenden Landhaus als Statement gesehen werden.

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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