23.05.2020 15:53 |

Erst 500 Euro Hilfe

Wirtin: „Als Arbeitslose hätte ich mehr bekommen“

Nach zwei Monaten Corona-Sperre haben die heimischen Gastronomiebetriebe seit einer Woche wieder offen. Noch bleibt der Ansturm der Gäste aus, vom Normalbetrieb ist man weit entfernt. Die „Steirerkrone“ hat sich im Land umgehört.

Bei den Gesprächen der Stammgäste erkennen Wirte oft, was die Bevölkerung bewegt. „Zuerst wird einmal über die Krise geredet“, erzählen Krimhilde und Verena Ploderer vom Plodererhof am Niederalpl von den Erfahrungen der vergangenen Tage. „Aber dann geht es zum Alltag über, und es ist wieder lustig wie sonst.“

Noch keinen Alltag wie vor der Corona-Krise gibt es allerdings in der Kasse. „Als wir aufsperrten, war der Andrang eher bescheiden, die Gäste sind vorsichtig.“ Zudem kommen viele Absagen bei den Nächtigungen: „Zehn Anrufe, zehn Absagen - die Stornierungen bis in den August spüren wir sehr. Das betrifft Gruppen von 15 Personen aufwärts, Feuerwehren, Pfarren. Bei den Wallfahrten haben wir etwa 50 Prozent Stornierungen.“ Dennoch sind die Ploderers keine Pessimisten: „Wir sind nicht allein, es geht allen so. Sie können uns ja nicht fallen lassen!“

Einheimische Touristen als große Hoffnung
Auch Alesia Steinberger vom Café „Glashaus“ in der Glasmanufaktur Kaiserhof in Neuberg an der Mürz hat ihren Optimismus behalten, „weil die Leute in Österreich bleiben und möglicherweise viele einheimische Touristen kommen werden“. Zudem hat sie für heuer ein Programm für Kinder geplant.

Die vergangenen zwei Monate hat Steinberger nur dank ihrer Ersparnisse überstanden. Aus dem Härtefallfonds der Regierung gab es bisher 500 Euro, nicht mehr. „Ich habe mir schon gedacht, ob ich mich kurzfristig arbeitslos melden soll: Als Arbeitslose hätte ich 800 Euro bekommen“

„Die Gäste sind alle äußerst diszipliniert“
Weiter nach Leoben zum Gasthof Erlsbacher: „Der Start wie auch der Feiertag waren sehr gut, dazwischen war es etwas zäh“, lässt Christian Aigner die erste Woche Revue passieren. „Dank des neuen Abholservices, das wir zusätzlich einführten, haben wir eine Auslastung von zwei Drittel.“

Was Aigner freut: „Die Sicherheitsmaßnahmen werden von den Gästen sehr gut angenommen. Alle sind diszipliniert, kommen mit Mundschutz und halten sich an die Abstandsregeln.“

Schaden lässt sich noch gar nicht beziffern
Ähnliches berichtet auch Andreas Lasinger vom Gasthof Eder in Fallenstein. Vom Normalumsatz könne aber noch keine Rede sein. „Am ersten Tag beispielsweise waren viele Einheimische aus der näheren Umgebung da, bestellt wurden aber nur sechs Essen - normalerweise haben wir 20 bis 30, das sind schon ordentliche Einbußen.“ Getrunken werde zwar ein bisschen mehr, aber durch die Sperrstunde um 23 Uhr, „die jeder einhält“, ergibt sich auch hier ein großes Minus.

Wie hoch der Schaden für Lasinger ist, lässt sich noch nicht beziffern. „Wir haben auch eine Landwirtschaft und deswegen bisher gar keine Hilfe erhalten.“ Nun soll es zwar 500 Euro geben - aber alleine der Strom kostet 400 Euro im Monat!

Sperrstunde macht Cocktailbar zu schaffen
Die frühe Sperrstunde trifft auch Josef-Mario und Ruzica Zmugg vom südsteirischen Café „Wies á Viś“, von einem Fachmagazin zur steirischen Cocktailbar des Jahres gekürt. „Wir hoffen, dass wir bald wieder normal offen haben dürfen, denn zwei Drittel unseres Umsatzes machen wir ab 22 Uhr. Sollte das nicht der Fall sein, sieht es für uns nicht gut aus“, meinen die beiden.

Die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen haben das Lokal in Wies nicht viel verändert, nur die Theke bleibt natürlich tabu. Dass die Mitarbeiter einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, verstehen die Zmuggs nicht, „denn Gäste können ohne Maske im Lokal sein und sich frei bewegen, wir allerdings nicht. Aber die Berater unserer Regierung haben sich sicher etwas dabei gedacht“

400 „Corona-Helden“ werden eingeladen
Von deutlich weniger Gästen als zur Zeit vor dem Coronavirus berichtet, trotz der Rückkehr vieler Stammgäste, auch Haci Akbulut von der Pizzeria „El Camino“ in Mürzzuschlag. 30 bis 40 Prozent betrage bisher der Rückgang.

Dennoch hat der Familienbetrieb eine beachtliche Aktion initiiert: „Corona-Helden-Gutscheine“. „Wir laden das komplette Personal vom Krankenhaus, der Polizei, Feuerwehr und der Pflegeheime, etwa 400 Personen, zum Essen ein - als Danke dafür, dass sie die Krise so mit uns mitgemacht und gekämpft haben.“

Und auch sonst blickt Akbulut mit Optimismus in die Zukunft: „Langsam werden die Leute die Angst überwinden. Wenn wir in einem Jahr alles im Griff haben, wieder ein normales Leben führen können - dann haben wir viel geschafft!“ Für die steirischen Gastronomen heißt es also: durchhalten!

Peter Bernthaler, Josef Fürbass und Heinz Weeber, Kronen Zeitung

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