18.05.2020 19:00 |

Kommt Wasser?

Das Geheimnis um den Lotten- und Wildmoossee

Um den Lotten- und Wildmoossee ranken sich einige Mythen. Der frühere Landesgeologe Gunther Heißel kennt die Fakten, warum die beiden Gewässer unregelmäßig zutage treten.

Im Winter gleiten die Langläufer über jene Mulden auf dem Seefelder Plateau, in denen in manchen Sommern Wasser aus dem Boden hervorkommt und den Lotten- und Wildmoossee entstehen lässt. Manchmal gibt es lediglich kleine Lachen, dann sind die Gewässer mittelgroßen Ausmaßes. Gelegentlich handelt es sich sogar um zwei stattliche Badeseen.

Hoffnung auf Badespaß
So stellen viele Telfer im Frühjahr die Frage: „Kommt der Lottensee heuer?“ Früher hieß es überwiegend, es handle sich um ein periodisches, in einem Vierjahres-Rhythmus entstehendes Gewässer. Dann wurde das Zutagetreten mit den Schneemengen des jeweils vorangegangenen Winters in Verbindung gebracht. Jedenfalls hoffen viele Einheimische aus Telfs und Umgebung im Frühjahr stets, dass in den Seen gebadet werden kann.

Heuer dürfte das Badevergnügen eher matt ausfallen. Gerade einmal als größere Lache zeigt sich etwa der Lottensee – aber immerhin. 2018 war das bislang letzte Jahr, in dem das beliebte Badegewässer von seinen Ausmaßen her die Bezeichnung „See“ tatsächlich verdiente.

Rekordgröße im Jahr 1999
Dafür ging 1999 in die Geschichtsbücher ein, als der Lottensee nicht nur die Zufahrtsstraße zur gleichnamigen Hütte überflutete, sondern, wie sich der frühere Landesgeologe Gunther Heißel erinnert, sogar drohte, ins Inntal abzufließen. Ein ähnliches Bild bot sich in den beiden Jahren darauf.

Der Mythos, es handle sich um ein im Vierjahres-Rhythmus zutage tretendes Gewässer, hatte sich spätestens damals erledigt. Näher kommt dem Geheimnis hingegen die weit verbreitete Meinung vom Zusammenhang mit den Schneemengen im Winter zuvor.

Zwei Gesteinsplatten
Über die wahren Hintergründe weiß Geologe Heißel Bescheid. „Zwei ehemals rund 30 Kilometer dicke Gesteinsplatten – die Lechtal- und die daraufgeschobene Inntaldecke – bilden das Seefelder Plateau“, erklärt der Experte. Beide sind unterschiedlich wasserdurchlässig. „Je nachdem, wie viel Niederschlag es gab bzw. wie rasch die Schneeschmelze erfolgte, ,säuft‘ sich die obere Decke mit Wasser an“, sagt Heißel.

„Dieses Wasser kann nämlich nicht nach unten abfließen, weil die untere Decke dichter ist. So geschieht es, dass das Wasser in Geländemulden an die Oberfläche tritt und sich in der Folge auch die beiden Seen bilden – in welchem Ausmaß auch immer.“

Die Hintergründe sind somit geklärt. Dafür bleibt das Rätselraten jedes Jahr, ob „der Lottensee heuer kommt“. Die ersten Überlegungen werden bereits im Winter von den Langläufern angestellt, wenn sie mit ihren Skiern über besagte Geländemulden gleiten.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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