13.05.2020 14:00 |

Krone-Interview

„Keine klaren Corona-Regeln für Kindergärten“

Die Salzburger Pädagogin Verena Romich kritisiert, dass es keine Vorgaben gibt, wie Corona-Regeln in Kindergärten umgesetzt werden sollen.

Frau Romich, wo fehlt es an Informationen?

Bis jetzt gibt es weder vom Land, noch von der Landesregierung eine klare Formulierung, wie viele Kinder gleichzeitig in einer Kindergartengruppe sein dürfen. In der Kirche sitzt etwa eine Person auf 20 Quadratmeter, aber im Kindergarten könnten im schlimmsten Fall 25 Kinder und zwei Erwachsene auf 50 Quadratmetern sitzen. Die Regierung wälzt die Verantwortung auf die Länder, diese wälzen weiter auf die Träger und diese wälzen weiter auf die Leitungen.

Was fordern Sie also?

Klare Vorgaben, wie einen Personen-Quadratmeter-Schlüssel. Außerdem wünsche ich mir Reihungskriterien, also Vorgaben, welche Kinder bei der Aufnahme in den Kindergarten vorgezogen werden müssen, wenn die Kapazitäten der Einrichtung ausgeschöpft sind.

Sind diese Probleme corona-bedingt entstanden?

Wir fordern bereits seit Jahren geringere Kinderzahlen in den einzelnen Gruppen in den Kindergärten. Im Beruf steht man dann, laut aktuellem Gesetz, mit bis zu 22 Kindern allein in der Gruppe. Eine zweite Person ist zusätzlich auf zwei Kindergruppen aufgeteilt. Das sind in den meisten Fällen Helferinnen, deren Ausbildung in einigen Monaten abgeschlossen ist. Unter dieser Bedingung ist unsere Bildungsarbeit teilweise eine Herausforderung.

Was verstehen Sie unter Bildungsarbeit?

Bei diesem Punkt ist mir eines ganz wichtig zu betonen: Wir sind keine reine Betreuungsanstalt! Kindergärten heutzutage sind Bildungseinrichtungen, wir arbeiten nach dem bundesländerübergreifenden Bildungsrahmenplan und machen Bildungsdokumentation. Trotzdem herrscht in der allgemeinen Gesellschaft immer noch das Bild der „kaffeetrinkenden Tante, die eh den ganzen Tag nur mit den Kindern spielt“. Da fehlt mir einfach die Wertschätzung und Anerkennung unserers Berufsbildes.

Welche Veränderung würden Sie sich noch wünschen?

Mehr Vorbereitungsstunden. Wir haben aktuell nur fünf Vorbereitungsstunden pro Woche für eine gruppenführende Pädagogin, eine Vorbereitungsstunde pro Woche für eine ausgebildete Pädagogin in Assistenz und keiner einzigen Vorbereitungsstunde für eine Helferin.

Auch Teambesprechungen und Elterngespräche müssen mit diesen Stunden abgedeckt werden. Das kann sich mit den vorgesehenen Stunden gar nicht ausgehen, viele arbeiten deshalb auch in ihrer Freizeit, damit man allen Ansprüchen gerecht wird. Es müssten sich demnach einige Dinge verändern, um diesen Beruf wieder attraktiver zu machen.

Stephanie Angerer
Stephanie Angerer
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