13.05.2020 11:30 |

Tiroler Betreiber

Nicht Partygäste, sondern Sorgen rauben Schlaf

Diskotheken bleiben weiterhin geschlossen, zum Leidwesen vieler Betreiber auch in Tirol. Die ungewisse Zukunft sei „extrem belastend“, herbe Kritik hagelt es zudem an fehlender finanzieller Hilfe seitens der Regierung. 

Am Freitag dürfen Gastrobetriebe wieder ihre Pforten öffnen, Diskotheken müssen weiterhin geschlossen bleiben. Was in der Theorie so einfach klingt, ist in der Praxis für die Nachtklub-Betreiber ein Kraftakt. Die „Krone“ hat sich bei mehreren Innsbrucker Diskothek-Geschäftsführern umgehört. Fazit: Es sind nicht die Partygäste, sondern etliche Sorgen, die ihnen den Schlaf rauben.

Regelbetrieb erst bei Impfstoff?
„Das Belastende an der gesamten Situation ist, dass wir in eine ungewisse Zukunft blicken. Es liegt uns kein Zeitpunkt vor, wann wir wieder öffnen dürfen“, sagt Marco Irhad Avdibasic, GF Blue Chip Club. Es verhärten sich die Gerüchte, dass ein Regelbetrieb erst möglich sei, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus gibt – also frühestens 2021.

„Es gibt so gut wie keine finanzielle Unterstützung. Wir haben die Kosten absolut minimiert, die Mieten- sowie Kreditzahlung ruhig gestellt. Doch irgendwann müssen wir das alles nachzahlen, nur mit welchem Geld?“, fragt sich Irhad Avdibasic“, „sehr ärgerlich ist, dass niemand wissen will, wie es uns derzeit geht.“

„Das Aufsperren würde keinen Sinn machen“
Er habe mit dem Gedanken gespielt, den Blue Chip Club am Freitag aufzusperren. „Doch wir dürften nur bis 23 Uhr geöffnet haben. Normalerweise besuchen uns unsere Gäste ab Mitternacht, das hätte somit wenig Sinn. Hinzu kommt, dass die Gäste unter Alkoholeinfluss die Schutzmaßnahmen wohl nur schwer einhalten werden“, sagt der Betreiber.

Was passiert mit der hinterlegten Kaution?
In der Luft hängt auch Patrick Liebhart, Geschäftsführer des Innkellers: „Wir haben das Lokal mit der Genehmigung angemietet, von 19 bis 2 Uhr geöffnet zu haben. Die umsatzstärkste Zeit ist von 22 bis 1 Uhr. Ich glaube nicht, dass sich die Leute an die neuen Zeiten anpassen werden. Es würde sich somit nicht lohnen, den Innkeller aufzusperren.“ Er habe die Mietenzahlung ausgesetzt, doch Kummer bereitet ihn die hinterlegte Kaution beim Vermieter. „Es weiß keiner, welche Rechte er hat und ob er die Kaution behalten kann. Wenn er sie sich zupft, dann zupft mich die Bank“, erklärt Liebhart.

Ab 20. Mai können Betriebe Anträge für Zuschüsse aus dem Corona-Hilfsfonds stellen, um etwa die Mieten tilgen zu können. „Doch wenn die Miete während der Krise nicht bezahlt wird, wird man sie auch nicht vom Staat zurückerhalten“, sagt der Tiroler. Liebhart hegt Kritik an den Maßnahmen: „Jedes Menschenleben ist etwas wert, aber ich bin gespannt, wie viele Menschenleben die Maßnahmen fordern.“

„Ich hole die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück“
Mit guten Nachrichten wartet der Inhaber des B1 Innsbruck auf: „Wir sperren am 1. Juni unter den vorgegeben Auflagen sowie mit einer erweiterten Terrasse wieder auf und beenden somit die Kurzarbeit.“ Doch dem nicht genug: Er holt auch all jene Mitarbeiter, die in anderen Lokalen, an denen er beteiligt ist (wie etwa das Felix), aus der Kurzarbeit zurück und setzt sie übergangsweise im B1 ein. „Das Felix ist behördlich geschlossen, das müssen wir so akzeptieren“, fügt er hinzu.

Disco-Betreiber ändert komplett sein Konzept
Auch der Filou-Betreiber versucht es mit einem neuen Konzept: „Wir öffnen am Freitag unsere Tore – und zwar von 14 bis 23 Uhr.“ Mit der Vorgehensweise der Regierung hat er seine Probleme. „Entweder soll ein konkretes Öffnungsdatum kommuniziert werden oder es soll anständige Förderungen geben. Derzeit haben wir weder noch“, bringt er es auf den Punkt.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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