25.04.2020 17:00 |

Verena Altenberger

Einfühlsam in der Entschleunigung

Mit dem Film „Die beste aller Welten“ hat sich Verena Altenberger in die erste Schauspielliga katapultiert. Nun heißt es: Auszeit.

Ihr deutscher Kinofilm „Generation Beziehungsunfähig“ und die Streaming-Serie „Wild Republic“ pausieren gerade. Deshalb fand die rastlose Pongauerin, die sieben Sprachen spricht und 21 Sportarten beherrscht, Zeit für umfangreiche Nachbarschaftshilfe, akribischen Wohnungsputz und unsere Frage nach Ihrem Befinden.

Was bedrückt Sie als professionelle Empathin?

Ich war heute noch nicht draußen und solange ich in meiner Wohnung bleibe, kann ich das Corona-Thema relativ gut ausblenden. Aber ich hatte heute ein Telefonat mit einer Freundin, das mir sehr nahe gegangen ist. Nach fünf Wochen freiwilliger Isolation ist da so viel Zurückhaltung. Wir wissen nicht, wann es wieder vertretbar ist, sich zu treffen, sich zu umarmen. Es wird nicht den einen Tag geben, ab dem wieder alles gut ist.

Haben Sie ein Rezept gegen Unsicherheit in der Isolation?

Naja … einfach zulassen. Und auch akzeptieren, dass es anderen so geht. Ich find es total legitim, das alles jetzt zu fühlen und dass Stimmungen alle zehn Minuten wechseln. Es ist nun mal eine weltweite Krise, das darf einen verunsichern.

Wie konnten Sie in letzter Zeit anderen helfen?

Durch die aktuelle Situation habe ich sehr viel mehr Zeit als sonst und die spende ich. Das heißt Nachbarschaftshilfe, für andere einkaufen gehen, zur Bank gehen. Ich habe im ganzen Bezirk meine Zettel aufgehängt. Außerdem habe ich mich bei der Caritas und beim Team Österreich von Ö3 als freiwillige Helferin gemeldet. Meinen jüngeren Familienmitgliedern habe ich angeboten, sie beim Home-Schooling mit E-Learning zu unterstützen. Alles geht, außer Mathe. (Lacht.)

Ihre verstorbene Mutter hat folgenden Satz geprägt: Tue Gutes und rede darüber.

Genau. So tut man nicht nur Gutes, sondern kann andere inspirieren nachzuziehen. Ein Schneeballeffekt sozusagen.

Wie beurteilen Sie aktuell die Kraft der EU in der Corona-Situation?

Am Anfang hat mich schon erschreckt, wie wenig EU da war und wie reflexartig das Nationalstaatentum durchgekommen ist. Dabei müsste man doch grade in der Krise sagen: Wir sind eine Gemeinschaft! Warum zählt jetzt nur jedes Land für sich? Und warum sind die überfüllten Lager für Geflüchtete in Griechenland angesichts dieser humanen Katastrophe nicht längst evakuiert? Dass Österreich sich diesbezüglich unwillig zeigt, empfinde ich als Schande. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass diese Krise ein Weckruf für mehr Europäische Gemeinschaft ist und für das gemeinsame Lösen von Problemen.

Die Verluste liegen auf der Hand. Haben wir durch diese Krise auch etwas gewonnen?

Ich verstehe den Gedanken, der hinter dieser Frage steht. Wenn die Situation weltweit wieder halbwegs unter Kontrolle ist, bietet das bestimmt auch Chancen. Aber diese Krise bedeutet, dass Menschen sterben und daran ist nichts Positives.

Erlauben Sie abschließend einen Themenwechsel. Sommerfrische – wohin geht es?

Ganz klar in das Gasteinertal. Da komm ich her, da lebt meine ganze Familie. Ich hoffe auch, dass ich bald wieder meine Oma besuchen kann, ohne dass wir uns Sorgen machen müssen. Einer meiner Lieblingsberge, auf den ich oft raufstiefel, ist der Schuhflicker in Dorfgastein. Da kann man an einem Tag rauf und runter gehen, oder schwindeln und mit der Gondel fahren. (Lacht.)

Nina Kaltenböck
Nina Kaltenböck
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