19.04.2020 09:02 |

Konzert-Absagen

5,5 Millionen Tickets: Eine Lösung wird gefordert

Nach Absage größerer Veranstaltungen bis 31. 8. hängt die Branche schwer in den Seilen. Auch die Konsumenten sind verunsichert. Jetzt wird ein runder Tisch mit der Regierung gefordert.

Jährlich werden 8,5 Millionen Tickets für Großveranstaltungen in Österreich verkauft, die Wertschöpfung beträgt dabei 5,8 Milliarden Euro. Die Branche sichert zudem hunderttausend Arbeitsplätze.

Aber wie soll es nach den Absagen bis zumindest 31. August weitergehen? Die „Krone“ lud dazu vier hochrangige Vertreter der Veranstaltungswirtschaft zu einer Telefonkonferenz ein.

Ewald Tatar von Barracuda (Nova Rock, Frequency, Electric Love) zeigte sich fassungslos: „Die Regierung fasst einen Beschluss, präsentiert aber gleichzeitig keine Regelung, was mit den schon 5,5 Millionen verkauften Tickets passieren soll. Da geht es immerhin um 370 Millionen Euro.“

Bei allen glühen derzeit die Telefone, Kunden wollen ihr Geld zurück. Matthias Rotermund von Live Nation, dem größten Konzertveranstalter der Welt, betonte: „Wir können kein Geld zurückzahlen. Miete, Pacht, Künstler, Dienstleister, wir haben ja das alles bezahlen müssen, haben auch jetzt laufende Kosten. Wir sprechen ja nicht von 500 Leuten, es geht um 5,5 Millionen Kunden.“ Ö-Ticket-Chef Christoph Klingler ergänzt: „Müssten wir alle Kartenkäufe ohne einheitliche Lösung rückabwickeln, würde das zehn Jahre in Anspruch nehmen.“

Andere Länder sind längst aktiv geworden. „Wir brauchen einen runden Tisch mit der Regierung. Dringend!“, stellte Klaus Leutgeb (Andreas Gabalier, Helene Fischer, Andrea Berg) klar. „Wir müssen mit Kanzleramt, Kultur- und Innenministerium eine Lösung finden.“

Schadensbegrenzung für alle als großes Ziel

80 Prozent der Veranstalter in Österreich stehen vor dem Aus. „Und bei einem Konkurs schauen alle durch die Finger. Der Staat verliert Einnahmen, der Kunde bekommt null Euro zurück“, beschrieb Tatar das drohende Horrorszenario. Deswegen ist jetzt Schadensbegrenzung angesagt. „Wir brauchen einen Schulterschluss zwischen Kunden, Veranstaltern und Regierung“, betonte Leutgeb.

Appell für eine Gutscheinlösung

Um die existenzbedrohte Branche zu retten, ziehen die 75 größten Mitbewerber jetzt alle an einem Strang. Auch ein Vorschlag liegt längst auf dem Tisch: Jeder Kunde soll einen Gutschein für ein Event seiner Wahl des jeweiligen Veranstalters erhalten im Wert des erworbenen Tickets. Der ist dann zwei Jahre lang gültig, nach Verfall kann der Kunde sein Geld zurückverlangen.

Ein Ausblick in die Zukunft stimmt die vier Kapazunder auch alles andere als positiv: „Der Markt ist natürlich extrem verunsichert, die Krise werden wir lange zu spüren kommen.“

Michael Jakl
Michael Jakl
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