17.04.2020 15:00 |

„Endlich ist Schluss“

Letztes Kohlekraftwerk zu: Klimaschützer atmen auf

Am Freitag hat das letzte noch verbliebene Kohlekraftwerk Österreichs - das Werk Mellach in Graz-Umgebung - den Betrieb eingestellt. Die Verbund AG, Österreichs größtes Elektrizitätsversorgungsunternehmen, erklärte, es ab sofort lediglich „zur Engpassvermeidung auf der Brennstoffbasis Erdgas betriebsbereit“ zu halten. Klimaschützer feiern einen „historischen Tag“.

„Ich melde mich, da heute ein historischer Tag für den Klimaschutz ist: Das letzte Kohlekraftwerk Österreichs ist vom Netz genommen worden. Wir begrüßen das natürlich sehr - Jahrzehnte haben wir gegen Kohlekraft gekämpft und tun das auch weiterhin“, wandte sich Greenpeace am Freitagvormittag an krone.at. „Endlich ist Schluss mit dreckiger Kohlekraft in Österreich. Dafür haben wir viele Jahre gekämpft und kämpfen weiter für einen weltweiten Kohleausstieg“, so Jasmin Duregger, Klimaexpertin von Greenpeace in Österreich. Und weiter: „Mit der Schließung des letzten Kohlekraftwerks in Österreich gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung einer klimafreundlichen Zukunft. Denn Kohlekraftwerke sind fossile Relikte aus dem letzten Jahrhundert. Sie haben in einer nachhaltigen klimafreundlichen Zukunft nichts verloren!“

Greenpeace: „Blick nach vorne richten“
Kohlekraft zeichne sich nicht nur durch ihre extreme Klimaschädlichkeit, sondern auch durch ihre Luftverschmutzung aus, die jährlich Tausende Menschenleben in Europa fordere. Greenpeace betont, dass Österreich sich aber gerade jetzt nicht auf den Lorbeeren des Kohleausstiegs ausruhen dürfe. „Wir müssen den Blick nach vorne richten. Die Regierung muss alles daransetzen, den naturverträglichen Ausbau von Energie aus Wind, Wasser und Sonne weiter zu fördern und voranzutreiben. Österreich muss die Stromproduktion bis 2030 zu 100 Prozent aus sauberen Energien zu produzieren. Die vollständige grüne Energieproduktion ist das Herz einer klimafreundlichen Zukunft“, so Duregger.

Global 2000: „Menschen können aufatmen“
Auch die Umweltorganisation Global 2000 jubelte via Presseaussendung: „Menschen in unserem Land können aufatmen. Wir alle werden von sauberer Luft und einer Verbesserung der Gesundheit profitieren. Jetzt gilt es, den Umbau zu einem 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystem in allen Bereichen noch viel entschlossener voranzutreiben“, so Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000.

Gewessler: „Energiesystem wird sauber“
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) gab sich zuversichtlich: Österreich habe mit der Stillegung in Mellach „einen weiteren Schritt zum Ausstieg aus fossilen Energien gemacht“. Sie versprach: „Bis zum Jahr 2030 werden wir Österreich zu 100 Prozent auf Ökostrom umstellen. Das Energiesystem wird sauber, leistbar und vor allem sicher umgebaut. Das bringt uns auch wirtschaftliche Unabhängigkeit, erinnerte die grüne Ministerin: „Wir geben derzeit zehn Milliarden Euro für Importe von Kohle, Öl und Gas aus.“

Weiterhin wichtiger Standort
Am Weg „von Old zu New Economy“ bleibe Mellach ein wichtiger Standort, der „ideale Voraussetzungen zur Entwicklung von Zukunftstechnologien“ biete, so der Verbund. „Der Umbau des Standortes zu einem Innovationsgelände ist ein gutes Beispiel, wie der Weg aus der fossilen Energiewelt hin zu einer innovativen und erneuerbaren Zukunft passieren kann“, ergänzte der Staatssekretär im Umweltministerium, Magnus Brunner (ÖVP).

SPÖ sorgt sich um Kapazitäten
SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll erklärte, die Entscheidung des Verbunds „zu hundert Prozent“ zu unterstützen. Auch Schroll sprach vom „Ende des Kohlezeitalters in Österreich“ und sah einen „fast schon historischen Wendepunkt in der Energiepolitik“. Zugleich drängte der SPÖ-Politker einmal mehr darauf, dass mit dem Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung auch die notwendige Versorgungssicherheit aufgebaut werde - Versorgungssicherheit bedeute Sicherung und Ausbau von Kapazitäten, die dann Strom liefern, wenn Wind, Wasser und Sonne nicht genug bringen.

Martin Kallinger
Martin Kallinger
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