17.04.2020 06:30 |

Jo mei, sagt Steirer:

„Corona überstehen wir jetzt auch noch“

Er musste als Kind auf den Feldern schuften, hatte im Winter nur mit Schweinshaut überzogene Pantoffel an den Füßen und weiß, was es heißt, zu hungern: „Aber ich hab das alles überlebt. Da überstehe ich auch Corona“, schildert der Oststeirer Rupert Schmidt.

„Jo, mei!“ - Das sagt der Oststeirer Rupert Schmidt (84) immer dann, wenn er in einer Situation ist, in die er sich ein- und mit der er sich abzufinden hat. „Jo mei!“ - das sagt er dieser Tage oft. Wenn er nicht mit seinen Freunden schnapsen kann. Wenn er nicht auf eine Jause in die Buschenschank gehen kann. Wenn er sein herziges Urenkerl nicht sehen darf.

„Jo mei, da müssen wir halt durch jetzt“, sagt er. Und: „Jetzt fehlt es uns ja an nix! Wir haben zu essen, wir haben es warm im Haus.“ Denn da hat der betagte Oststeirer schon anderes schultern müssen - heute noch denkt er oft an die schweren Zeiten zurück. Als der Vater nicht mehr aus dem Krieg zurückgekommen ist, die Mama mit den drei kleinen Kindern allein zu Hause überleben hat müssen. Der Tisch war oft kärglich gedeckt, oft gar nicht, „obwohl’s uns mit der kleinen Landwirtschaft noch besser gegangen ist als vielen anderen“. Sauerkraut - das war das Überlebensmittel der Familie Schmidt. „Das hat es fast täglich gegeben. Dazu Erdäpfel. Einmal ein Stückl Fleisch, was war das für ein Festmahl.“  Und obwohl auch der Steirer schätzt, wie der Tisch heutzutage gedeckt ist, „das mit dem vielen Wegschmeißen von Lebensmitteln und dass wir die bäuerlichen Produkte nicht mehr ehren, das ist mir zum Grausen“.

Vergleichen will er die Menschen von heute nicht mit denen seiner Kindheit, „weil man keinem die Schrecken dieser Zeit wünscht“. Aber wenn er hört, dass für viele die Schule zu Hause mühsam ist, muss er schmunzeln. „Wir wären froh gewesen, wenn wir täglich in die Schule hätten gehen dürfen.“ Denn die Arbeit auf dem Feld ging immer vor. Schon als Kind mussten Schmidt und seine Geschwister die Kühe vor den Karren spannen, Erdäpfel ausgraben, ansetzen; Arbeiten, die für einen Erwachsenen sogar oft zu schwer waren. Wenn sich einer verletzte, eines der Kinder weinte, da fragte keiner nach. Oder wenn die Füße blau gefroren waren, weil die Kleinen nur mit Schweinshaut überzogene Holzpantoffeln im Winter hatten. Das Schlafen war eine Wohltat - selbst wenn es nur auf der brettelharten Matratze aus Stroh war.

Und jetzt? „Bleibe ich daheim. Bin froh, dass ich zum Essen hab. Dass die Jüngeren uns Senioren schützen wollen. Ich werde mich ganz sicher nicht beschweren. . .“

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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