08.04.2020 06:30 |

Notschlafstellen:

Wie Obdachlose „zuhause“ bleiben

Die Ausgangsbeschränkungen gelten für alle, doch wo sollen Menschen hin, die kein Zuhause haben? Die Grazer Notschlafstellen haben aktuell alle Hände voll zu tun.

Es sind herausfordernde Zeiten für alle, besonders schwierig ist die Situation aber für diejenigen, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben. Viele von ihnen gehören zu Risikogruppen, sei es wegen des Alters oder Vorerkrankungen. „Sie können sich auch viel schwerer Vorräte anschaffen. Gerade jetzt ist es schwierig, eine Wohnung oder einen Job zu finden“, erzählt Stefan Bottler-Hofer, Leiter der Caritas-Notschlafstelle Arche 38 in Graz. „Unsere Gäste haben oft eine schwierige Vergangenheit, Corona kommt jetzt noch dazu. Angesichts der Umstände kommen sie aber gut damit zurecht.“

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Bei uns leben viele Menschen auf sehr engem Raum. Wir versuchen, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Gäste sind sehr diszipliniert, warten aber auch auf eine Lockerung der aktuellen Maßnahmen.

Stefan Bottler-Hofer, Leiter der Arche 38

Obdachlose können auch tagsüber bleiben
„Wir haben eine steigende Inanspruchnahme, es ist aber unter Kontrolle“, so Bottler-Hofer. Früher war nur ein nächtlicher Aufenthalt möglich, seit 16. März dürfen Gäste auch tagsüber bleiben. Auch das Aufnahmeverfahren hat sich verändert: Kommen Nächtigungsgäste aus Risikogebieten oder haben Fieber, werden sie nicht aufgenommen. Für diese Gäste gibt es zwei „Quarantänewohnungen“. „Ein Hotel hat außerdem Räume zur Verfügung gestellt, in denen Abgewiesene für 14 Tage bleiben können.“

„Solidarität steht im Vordergrund“
Auch in der Notschlafstelle Vinzi-Tel sind die Bewohner nicht beunruhigt. „Die Stimmung ist grundsätzlich gut, die Gäste halten sich sehr vernünftig an die Beschränkungen”, weiß der Leiter Andreas Kleinegger. „Im Haus bilden sich Freundeskreise, die sich gegenseitig helfen. Solidarität steht im Vordergrund.” Alle 25 Betten sind hier belegt, in der Zukunft könnten mehr gebraucht werden. „Vielleicht kann aber der eine oder andere bei Freunden unterkommen, wenn etwas Normalität zurückkehrt.”

Gelassenheit im Vinzi-Dorf
Im Vinzi-Dorf, einer Dauerherberge für Obdachlose, verhält es sich ähnlich. Der stellvertretende Leiter Erich Schnedlitz erzählt: „Das Coronavirus ist natürlich das bestimmende Thema, die Stimmung ist aber sehr gut. Die meisten bleiben bewusster im Dorf.“ Eine gute Nachricht: In den Notschlafstellen der Vinzi-Werke und der Caritas gab es bislang keine positiven Coronatests.

Julian Strassegger
Julian Strassegger
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