30.03.2020 12:30 |

Laut Polizei

Kein Anstieg der häuslichen Gewalt in Salzburg

Die auferlegte Ausgangsbeschränkung im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie dürfte im Bundesland Salzburg bisher nicht zu der befürchteten Zunahme von Gewalt im häuslichen Umfeld geführt haben. „Nach einem kurzfristigen leichten Anstieg an den ersten ein, zwei Tagen dürfte es sich wieder im ‘normalen‘ Bereich eingependelt haben“, sagte Polizeisprecher Hans Wolfgruber

Wolfgruber räumte ein, dass noch keine Zahlen vorliegen. Aber eine Zunahme an häuslicher Gewalt könne er nicht feststellen. „In Anbetracht dessen, dass die Menschen jetzt viel mehr daheim sind, ist es gar nicht viel.“ Gestiegen sei vielleicht die Zahl an Streitschlichtungen, also wenn sich etwa Nachbarn über Lärmerregung beschweren.

Auf jeden Fall einen Rückgang ortet der Sprecher beim Rückgang der allgemeinen Kriminalität und hier vor allem bei Eigentumskriminalität und Gewaltdelikten im öffentlichen Raum, etwa Schlägereien im Nachtleben. Wolfgruber betonte, dass es auch für diesen Bereich noch keine Zahlen gebe, die diesen „gefühlten Eindruck“ bestätigen würden. Den Rückgang bei Eigentumsdelikten erklärt er sich mit der Ausgangsbeschränkung an sich, weil dadurch jede Einzelperson mehr auffalle, aber auch durch die verstärkte Polizeipräsenz. Möglich sei auch, dass zurzeit nicht jeder kleine Vorfall, etwa ein Diebstahl eines Fahrrades, sofort angezeigt werde, sondern einige Geschädigte das Ende der Beschränkungen abwarten, bis sie zur Polizei gehen.

Auch das Gewaltschutzzentrum Salzburg und das Frauenhaus in der Landeshauptstadt registrieren derzeit noch nicht mehr Fälle häuslicher Gewalt. Allerdings rechnen die Leiterinnen der beiden Einrichtungen mit einem baldigen Anstieg. „Die meisten Menschen sind momentan noch damit beschäftigt, die äußere Krise zu bewältigen“, sagte Renee Mader vom Gewaltschutzzentrum zur APA. „Da geht es um Stabilität, um tägliche Struktur. Wie lässt sich der Alltag der Kinder organisieren, habe ich genug Lebensmittel zu Hause, wie reagiere ich auf Kurzarbeit oder Jobverlust?“

Wenn es in dieser Phase zu psychischer Gewalt oder leichten körperlichen Übergriffen komme, sei es für Betroffene oft noch ein „Luxusproblem“. „Wir kennen das von den traditionellen Familienfeiertagen. Um das heile Familienbild aufrecht zu erhalten, werden Übergriffe von den Frauen eher ‘übersehen‘. Erst wenn der äußere Druck wegfällt, holen sich die Betroffenen Unterstützung“, erklärte Mader. Dies werde in der aktuellen Lage nicht anders sein: „Wenn sich die neue Situation eingespielt hat, dann brechen die inneren Krisen aus.“

Dazu komme, dass die äußere Krise alleine keine Gewalttäter mache. „Jeder Mann, der in seinen Intimbeziehungen Macht, psychische oder sexuelle Gewalt herstellt, wird das mit oder ohne Krise tun. Sie unterdrücken, beschimpfen, quälen, um sich selbst größer zu fühlen.“ Hier drohe in der aktuellen Situation zudem eine besondere Gefahr. „Die soziale Kontrolle von außen fällt weg. Durch die Abgeschlossenheit könnten Täter glauben, dass sie ihr Herrschaftssystem unbeobachteter ausführen können.“ Mader rechnet darum damit, dass Gewaltübergriffe entweder in kürzeren Abständen erfolgen - oder massiver ausfallen werden.

Auch das Frauenhaus in der Stadt Salzburg ist derzeit noch nicht mit einem erhöhten Maß an Anfragen oder Beratungen konfrontiert. „Wir gehen aber davon aus, dass es mehr werden wird“, sagte die Leiterin der Einrichtung, Birgit Thaler-Haag. „Wir kennen das von Feiertagen wie rund um Weihnachten, wo sich die Frauen erst mit Verzögerung an uns wenden.“

Dazu komme, dass die für Gewaltbeziehungen so typische Kontrolle durch die Ausgangsbeschränkungen noch verschärft werde. „Wenn die Partner zuhause sind, können die Frauen gar nicht so leicht telefonieren oder ihre Sachen packen, um wegzugehen. Da herrschen erschwerte Bedingungen.“ Die Mischung aus beengenden Verhältnissen und Angst um die Existenz würde die Konflikte in der Familie aber generell verschärfen. „Ich möchte die Frauen ermutigen, sich zu melden, sie können das auch per E-Mail machen, wenn sie nicht telefonieren können“, so Thaler-Haag.

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