10.03.2020 06:05 |

Lokalaugenschein

Mit dem Coronavirus kam die Stille ins Krankenhaus

Auffallende Ruhe, Security am Eingang, Besucherbeschränkung - der „Tag danach“, nämlich nach Bekanntwerden eines Corona-Falles, ist im LKH Hartberg in der Steiermark schon ein wenig gespenstisch. Ein Lokalaugenschein der „Krone“.

„Haben Sie derzeit Fieber, fühlen Sie sich krank?" - Mit diesen Fragen, verbunden mit der Bitte, sich die Hände zu desinfizieren und einen Mundschutz zu nehmen, wird man derzeit im Landeskrankenhaus Hartberg von einem freundlichen Security-Mitarbeiter empfangen.

„Eine reine Vorsichtsmaßnahme“
Und wohin man schaut: Jeder, der Lieferant genauso wie der Portier, trägt hier eine Maske. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, betonen Betriebsdirektor Reinhard Petritsch sowie Pflegedirektorin Brigitte Hahn. Die Hand schütteln sie uns nicht, „von unnötigem Körperkontakt wird derzeit abgeraten“. Auch die Patienten wurden gebeten, davon bei Besuchern abzusehen, oder, noch besser, keine Besuche zu empfangen.

„Wir haben genug Masken“
„Wir gehen hier ganz genau nach Plan vor, es gibt keine Unsicherheiten. Wir haben auch genug Desinfektionsmittel und Masken“, versichern Petritsch und Hahn, die einen unaufgeregten, souveränen Eindruck machen. Jeder Handgriff sitzt - „Übung“ hat man schon durch massive Grippewellen in den Vorjahren. Influenza-Erkrankungen gehen derzeit zurück - das viele Händewaschen und Desinfizieren machen sich bemerkbar.

Generell ist im LKH fast gespenstische Stille. In den Ambulanzen, die sonst im Schnitt von gut 100 Leuten am Tag besucht werden, wurde am Montag nur ein überschaubares Häufchen verzeichnet. Das Restaurant ist zu. Einige Patienten, die entlassungsfähig waren, konnten gleich nach Hause.

35 Mitarbeiter noch unter Quarantäne
Nachdem sich eine Mitarbeiterin infiziert hatte, stehen die Betroffene selbst sowie 34 Kollegen, mit denen sie Kontakt hatte, unter Quarantäne. Das merkt man bei einem Personalstand von 550 schon. „Genaue Logistik ist erforderlich“, so Petritsch. Die Abteilungen Chirurgie und Gynäkologie stehen nur für Akutversorgung offen, geplante Termine und Operationen wurden abgesagt. In der Inneren Medizin, wo es sonst circa 40 Neuzugänge pro Tag gibt, wird derzeit niemand aufgenommen. Zwölf Patienten, die Kontakt zur Infizierten hatten, sind im LKH, elf daheim.

Alexandra und Wilhlem Dreisiebner aus Gleisdorf sind am Montag trotz des Corona-Falls in das LKH Hartberg gekommen: „Dass hier das Virus aufgetreten ist, ist für uns wirklich keine Abschreckung. Der positive Nebeneffekt war, dass nur wenige Leute da waren, es gab keine Wartezeit in der Ambulanz.“

Auch die Hartberger Edith Schalk und Franz Posch ließen sich nicht abschrecken: „Wir haben nur im Spital angerufen, ob eh alles nach Plan läuft, weil wir einen Termin hatten. Den haben wir natürlich wahrgenommen, das Virus schreckt uns nicht. Wir waschen uns eh oft die Hände, das war schon vorher so.“

Altstadt leerer als üblich
Weiter in die schöne Hartberger Altstadt. „Sie ist leerer als sonst um diese Zeit“, so Bürgermeister Marcus Martschitsch. Im Lokal Sonne zum Beispiel sitzen wir zu Mittag alleine. „Die Händler machen sich Sorgen, weil schon viel weniger los ist als montags üblich. Wir hoffen, dass alles bald wieder normal ist.“

Die fünf Hausärzte jedenfalls haben sich sofort in den Dienst gestellt, bieten eine 24-Stunden-Hotline an.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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