22.02.2020 17:00 |

Instrumentenbauer

Ein Mariazeller sorgt für südamerikanische Klänge

Otto Praschl aus Aschbach bei Mariazell baut seit 35 Jahren südamerikanische Gitarreninstrumente wie Charangos, Bandolas oder auch Cuatros. Die „Steirerkrone“ besuchte ihn in seiner Werkstatt.

Die Ö3-Sendung „Musik aus Lateinamerika“ weckte in den 1970ern Otto Praschls Leidenschaft für diese Region. Als er dann in Wien arbeitete, konnte er in Clubs wie „America latina“ oder „Andino“ südamerikanische Musiker hören, die vor der Pinochet-Diktatur in Chile geflüchtet waren.

Das erste Instrument
1983 brachte Praschl sein erstes Charango von einem Mexiko-Urlaub mit - eine kleine Gitarre mit dem Körper eines Gürteltiers. Ob die heute noch durch den Zoll käme, ist fraglich Seither hat er seine Urlaube oft in Südamerika verbracht, viele Eindrücke der dortigen Volksmusik - der Musica andina, Musica criolla oder llanera - gesammelt und sich Stücke angeeignet.

Tipps vom Profi
Jose Gregorio Mujica, Harfenist und Instrumentenbauer im venezolanischen Barquisimeto, lieferte Praschl wertvolle Bau-Anregungen. Das erste Charango wurde nach dem minutiös vermessenen Gürteltier-Modell in den 1980ern hergestellt, der Klangkörper aber aus Holz geschnitzt.

Praschl ist ein Analytiker und hat seither großes Wissen über die Klangeigenschaften der verschiedenen Hölzer angesammelt. „Für Charangos habe ich oft Lärche von der Wetterin (beim Niederalpl, Anm.) genommen. Sie hat ganz enge Ringe, schwingt sehr stark, und in kleinen Abmessungen klingt Lärche gleichwertig gut wie Fichte.“ Für die Griffbretter wird heimisches Kriecherlholz verwendet, für das benötigte Spezialwerkzeug fand sich eine Adresse in Wien: die Firma Musikinstrumente Witzmann.

Praschl spielt auch selbst
Seit 2015 in Pension, musiziert der Steirer in größeren oder kleineren Formationen und wendet die südamerikanische Musik auch zur Unterstützung ehemaliger Patienten mit psychischen Problemen an.

50 bis 100 Arbeitsstunden
Aktuell ist der (sehr professionelle) Hobby-Gitarrenbauer mit der Korrektur eines vor Jahren gebauten Requintos beschäftigt: „Es hat so gebrummt - ich habe den Störlaut nicht aus dem Instrument, das aus Kirsche und Fichte bestand, gebracht.“ Also hat Otto den Korpus entfernt und baut nun am alten Hals ein neues Instrument. Im April dürfte das Requinto fertig werden. Rund 50 Arbeitsstunden sind für die kleineren, rund 100 für größere Instrumente wie die Barockgitarre notwendig. Die Preise? Es geht um Liebhaberei . . . 

Peter Bernthaler

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