10.02.2020 08:00 |

Kritik verstummt nicht

Bewerber bleibt nach zweiter Abfuhr an Universität

Das Vizerektoren-Team an der Universität Innsbruck ist – wie berichtet – komplett. Der bisherige Vizerektor Wolfgang Meixner hat es auch beim zweiten Anlauf nicht in das Team geschafft. Er kehrt nun an das Institut für Geschichtswissenschaften zurück. Indes hat sich ein verärgerter Ex-Professor an die „Krone“ gewandt.

Seit 2007 hatte Wolfgang Meixner den Posten des Vizerektors für Personal inne. Mit seiner erneuten Bewerbung hoffte er, seine Amtszeit verlängern zu können. Doch im Universitätsrat gab es für Meixner keine Mehrheit. So hatte er sich kurzerhand für das Vizerektorat für Infrastruktur beworben.

Kuriose Unterfangen nun beendet
Doch auch hier konnte Meixner nicht überzeugen, er wurde nach den Hearings nicht einmal von Rektor Tilmann Märk dem Senat vorgeschlagen. Über das Amt des Vizerektors für Infrastruktur freuen durfte sich hingegen Wolfgang Streicher. Und mit Anna Buchheim wurde eine Vizerektorin für Personal gefunden. Somit ist das kuriose Unterfangen nun endlich beendet.

Meixner bleibt aber auch weiterhin der Uni Innsbruck erhalten – und zwar in seiner alten Funktion. „Für die Funktion als Vizerektor war ich als Beamter vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie karenziert. Ich kehre mit 1. März 2020 als Assistenzprofessor zurück“, verdeutlicht Meixner. Gelehrt und geforscht habe er auch stets während seiner Zeit als Vizerektor. Somit sei die Rückkehr in die Wissenschaft kein Problem.

Ärger bei Ex-Professor über „Sperrauftrag“
Verärgert ist hingegen Gerhard Oberkofler, ein pensionierter Professor der Uni Innsbruck. „Ich war gerade in Wien und wollte von meinem Uni-Account, den ich trotz Pensionierung – wie andere auch – noch hatte und der im Jänner 2018 formal bis 2023 wegen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit und meinen Kontakten verlängert wurde, eine E-Mail absetzen. Das ist mir aber nach mehreren Versuchen nicht gelungen. Beim Zentralen Informatikdienst der Universität wurde ich folglich über den persönlichen Sperrauftrag des Rektors aufgeklärt“, schildert er, „und auch meine Zugangskarte für die Bibliothek wurde gleichzeitig deaktiviert.“

„Diese Vorgehensweise ist sehr erbärmlich“
Der Grund dafür könnte mit seiner Kritik an der neuen Darstellung der Innsbrucker Universitätsgeschichte zusammenhängen. „Die Darstellung bereitet alte Themen mit modischen Accessoires auf. Die Geschichte ist rückwärtsgewandt. Das habe ich dem Rektor kurz vor der Stilllegung meines Mail-Accounts, die ohne jegliche Vorwarnung passiert ist, auch schriftlich mitgeteilt“, erklärt Oberkofler.

Er habe Alfred J. Noll, Anwalt und ehemaliger NR der Liste Pilz, mit der Causa beauftragt. Daraufhin habe er zumindest Zugang zu seinen alten E-Mails inklusive Kontakten erhalten. Die Sperrfunktion bleibe aber aufrecht. „Das ist eine wirklich sehr erbärmliche Vorgehensweise“, betont er.

„Kein lebenslanges Recht“
Konfrontiert mit den Vorwürfen des pensionierten Professors versucht die Universität Innsbruck, die Causa aufzuklären. Man bitte um Verständnis, dass man ehemaligen Mitarbeitern grundsätzlich „kein lebenslanges Email-Nutzungsrecht“ einräumen könne.

Seit 2017 seien die personenbezogenen Mailadresse mit der Endung @uibk.ac.at mit Blick auf grundlegende Änderungen im Datenschutz und aus arbeits- und haftungsrechtlichen Gründen ausschließlich Mitarbeitern der Universität vorbehalten. Ein Großteil der Professoren sei über die Pensionierung hinaus in Forschungsprojekte, in der Lehre oder in Publikationen eingebunden und habe somit eine weitere direkte Anbindung an die Universität.

„Gerhard Oberkofler ist seit fast 20 Jahren pensioniert und hat schon länger keinerlei wissenschaftliche Anbindung mehr an die Universität Innsbruck und auch keinen Lehrauftrag. Nach außen hin wird mit der personenbezogenen Endung @uibk.ac.at allerdings ein anderer Eindruck vermittelt. Aus diesem Grund wurde sein Email-Account deaktiviert, seine Daten wurden für ihn gesichert und Mitarbeiter des Zentralen Informatikdienstes haben ihn dabei unterstützt, diese auf einen privaten Mailaccount zu übertragen“, schildert Pressesprecher Uwe Steger.

„Nicht unsere Absicht, Kontakte zu kappen“
Er habe zudem die Möglichkeit, für die Dauer von einem Jahr - bis zur endgültigen Löschung des Accounts - eine automatische Antwort einzurichten, die auf seine künftige Erreichbarkeit hinweise. Es sei keinesfalls die Absicht der Universität, bestehende Kontakte zu kappen oder persönliche Forschungsprojekte dadurch zu behindern.

Prinzipiell bittet der Pressesprecher um Verständnis: „Da die Universität kein Email-Provider ist, besteht kein Rechtsanspruch auf Email-Dienste der Universität. Außerdem können wir ehemaligen Mitarbeitern kein lebenslanges Email-Nutzungsrecht einräumen.“

Wenn alles so reibungslos gehandhabt wurde, bleibt die Frage, weshalb Oberkofler die Hilfe eines Anwaltes benötigte? „Das kann ich leider nicht sagen. Das wäre nämlich auch ohne gegangen“, betont Steger.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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