23.01.2020 19:00 |

NR Hermann Weratschnig

„Tirol braucht keine neuen Festivals“

Hermann Weratschnig ist derzeit als einziger Tiroler Nationalrat im parlamentarischen Kunst- und Kulturausschuss vertreten. Die Stärkung der Vernetzung von Stadt und Land sowie die soziale Absicherung von Kunstschaffenden sind Schwerpunkte in seiner Arbeit. Aber er ist auch der Meinung, dass Tirol keine neuen Festivals mehr braucht.

Schlanke sieben von insgesamt 328 Seiten widmen ÖVP und Grüne dem Kapitel „Kunst und Kultur“ in ihrem Anfang des Monats präsentierten Regierungsprogramm. So sollen unter anderem die unterschiedlichen Tätigkeiten in den breiten Themenfeldern Kunst und Kultur auf arbeits- und sozialrechtlich stabile Beine gestellt werden. Wobei das „Fair Pay“ in einer gemeinsamen Strategie von Bund, Ländern und Gemeinden umzusetzen ist. Hierbei werden zusätzlich mögliche jährliche Wertsicherungen von Förderungen bei „mehrjährigen Verträgen“, um steigende Personalkosten zu decken, ins Spiel gebracht.

Einziger Tiroler in diesem Gremium
Die lange als Favoritin für das Kunst- und Kultur Staatssekretariat gehandelte ehemalige Rektorin der Akademie der bildenden Künste, Nationalrätin Eva Blimlinger (Grüne), hat zwischenzeitlich den Vorsitz des 23-köpfigen parlamentarischen Kunst und Kultur-Ausschusses übernommen. Als derzeit einziger Tiroler ist der 45-jährige, aus Schwaz stammende, Grüne Nationalrat Hermann Weratschnig in diesem sehr „ostlastig“ besetzten Gremium vertreten.

Stärkung der regionalen und lokalen Förderung von Künstlern
Für Weratschnig, der gemeinsam mit Blimlinger das Kunstkapitel verhandelt hat, ist die Stärkung der regionalen und lokalen Förderung von Künstlern einer der Schwerpunkte seiner Arbeit. „Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Initiativen und Vereine mehr Geld dafür brauchen, wenn Kunstschaffende besser abgesichert werden, sonst wird das nicht funktionieren“, meint Weratschnig, der hierzu auf die bestens funktionierende Schiene in Tirol verweist: „Kulturlandesrätin Beate Palfrader ist eine Kämpferin für den Westen und in enger Zusammenarbeit zwischen Bund und Land ist der Einsatz für Kunst und Kultur sichergestellt“.

Mehr Unterstützung nötig
Zukünftig soll auch die Sicherstellung der Dotierung des Künstlersozialversicherungsfonds umgesetzt werden. Mehrjahresverträge bei Förderungen, Erleichterungen bei den Verwertungsgesellschaften für Veranstalter und ein Urhebervertragsrecht, welches die Kunstschaffenden gegenüber Gesellschaften stärkt, sind weitere Kernpunkte mit Auswirkungen auf die Länder. Weratschnig meint zudem, dass es außerhalb Wiens auch in Tirol und Vorarlberg Kultureinrichtungen gibt, die mehr Unterstützung durch den Bund bräuchten. In den ersten 100 Tagen der Regierung ist deshalb ein „Tirol-Tag“ mit Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) geplant.

Bei den Kunstfördermitteln des Bundes ortet der Tiroler Nationalrat ein Ungleichgewicht: „Wir haben Richtung Tirol eine Verteilung dieser Bundesfördermittel von vier Prozent, bei einem Einwohnerschlüssel von achteinhalb Prozent. Österreich hört ja kulturell nicht in Linz oder Salzburg auf, sondern geht über Tirol weiter nach Vorarlberg.“

Überzeugt ist der Neo-Abgeordnete davon, dass sich Tirol als Teil der österreichischen Alpenregion verstärkt mit den Ländern Salzburg und Vorarlberg kulturell positionieren kann – und das nicht nur im Sinne des Tourismus, sondern auch „identitätsstiftend“ für die Bevölkerung. „Was wir aber nicht brauchen, sind neue, zugekaufte Festivals und Kunstevents. Wir sollten eigentlich das schon im Jahreslauf Bestehende in Stadt und Land besser vernetzen“, meint Weratschnig abschließend.

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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