20.01.2020 18:30 |

Er wurde 77

Der Kran-Pionier ist tot

Der langjährige Chef des börsennotierten Kranherstellers Palfinger AG, Hubert Palfinger senior, ist tot. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, ist der 77-Jährige gestern, Sonntag, seiner schweren Krankheit erlegen. Palfinger senior hatte den Schlosserbetrieb seines Vaters zum börsennotierten Weltkonzern gemacht und sich operativ 2011 aus der Palfinger AG zurückgezogen.

Mit seiner Frau, seinen beiden Söhnen und über eine Privatstiftung hielt er aber weiterhin die Aktienmehrheit am Unternehmen. Zudem blieb Palfinger unternehmerisch weiterhin hoch aktiv. Seine Hubert Palfinger Technologies (HPT), die sich etwa auf die Instandhaltung von Rümpfen von Hochseeschiffen spezialisiert hat, hatte erst im vergangenen November den renommierten Umweltpreis Energy Globe World Award gewonnen. Erst am Montag der Vorwoche hatte der Kranhersteller darüber informiert, dass sich der Gesundheitszustand von Palfinger senior zuletzt zunehmend verschlechtert hat.

Die weit über die Grenzen Salzburg hinaus bekannte Unternehmerpersönlichkeit wurde am 13. April 1942 in Grieskirchen (Oberösterreich) geboren. Nach einer Lehre als Maschinenschlosser holte Palfinger 1964 den HTL-Abschluss nach und stieg noch im selben Jahr in den 1932 gegründeten Betrieb seines Vaters ein. Dessen Schlosserwerkstatt war mit damals zwölf Mitarbeitern auf die Herstellung von Lkw-Aufbauten und Kipper für die Landwirtschaft spezialisiert.

Hubert Palfinger senior - ein leidenschaftlicher Produktentwickler, dem Forschung immer wichtig war - setzte in der Folge voll auf hydraulisch betriebene Lkw-Ladekrane. 1968 lief der erste in Serie produzierte Kran vom Band, bald zählte die Firma zum Technologieführer in diesem Bereich und feierte Verkaufs- und Exporterfolge. In den 1970er Jahren meldete die Firma zahlreiche Patente an - etwa für Kräne mit einem faltbaren Arm. Damit konnten Kräne auch mit größerer Reichweite platzsparend zusammengelegt werden. Die Firma erweiterte in der Folge ihr Portfolio beständig, expandierte, übernahm andere Firmen.

Nach einem ersten Dämpfer durch die Ölkrise 1973 folgte Mitte der 1990er die zweite große Krise für das Unternehmen. Der Export brach angesichts des harten Schillings und der Konkurrenz aus anderen Ländern zusammen. Palfinger verlagerte Teile der Produktion ins Ausland und restrukturierte das Unternehmen. Das Management hatte der Firmen-Patriarch dabei genau im Auge, was eine hohe Fluktuation bei den Vorständen zu dieser Zeit belegt.

1999 ging der Kranhersteller an die Börse. Palfinger, der als Hobby-Pilot bei Terminen des Managements den Firmen-Jet häufig persönlich steuerte, zog sich etwas zurück. Er hielt aber als Vorsitzender des Aufsichtsrates weiter die Fäden in der Hand und gab die Prioritäten vor. Während sich der Vorstand etwa öffentlich für einen Börsengang in Frankfurt stark machte, pochte Palfinger erfolgreich auf den Standort Wien. Nach der Jahrtausendwende begann ein Expansionskurs, der sich bis heute fortsetzt. 2008 gab der Senior die Position als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender an seinen Sohn Hubert Palfinger junior ab, er blieb aber bis 2011 „einfaches“ Mitglied des Gremiums.

Palfinger war verheiratet und hinterlässt seine Gattin Josephine. Seine beiden Söhne Hubert und Hannes sitzen heute im Aufsichtsrat der Palfinger AG. Er war Träger des großen silbernen Ehrenzeichen am Band der Republik Österreich und des silbernen Ehrenzeichen des Landes Salzburg. Privat ist wenig über ihn bekannt, von 2002 bis 2005 fungierte er als Präsident des Eishockey-Clubs „The Red Bulls Salzburg“.

Die Palfinger AG mit Hauptsitz in Bergheim im Norden der Stadt Salzburg erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2018 einen Gesamtumsatz von rund 1.616 Mio. Euro Umsatz und beschäftigte Ende 2018 rund 10.780 Mitarbeiter in 35 Werken in 31 Ländern.

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