Bei Public Viewing

Kogler kassiert als Streit-Schlichter in Graz “Bierdusche”

Steiermark
24.06.2010 17:28
Der Spitzenkandidat der Grünen für die steirische Landtagswahl im September, Werner Kogler (Bild), ist am Mittwochabend beim WM-Public-Viewing in Graz in einen Streit zwischen Besuchern geraten und hat dabei eine unsanfte "Bierdusche" kassiert. Der Politiker wollte schlichtend dazwischengehen, als Besucher mit rassistischen und rechtsradikalen Parolen andere Zuschauer provozierten und auch Schläge austeilten. Sein 37-jähriger Begleiter wurde bei dem Vorfall verletzt.

Der Public-Viewing-Bereich im Pfauengarten beim Karmeliterplatz war gut besucht. Zu Beginn der zweiten Halbzeit des WM-Spiels Ghana gegen Deutschland sei Kogler aufgefallen, dass an einem Tisch in der Nähe vier Burschen in schwarzen Deutschlandtrikots Besucher an umliegenden Tischen immer wieder provoziert hätten. 

Umstehende hätten ihm gesagt, dass die vier schon in der ersten Halbzeit Nazi-Parolen von sich gegeben hätten. Er habe von den Burschen Aussagen wie "Scheißnigger" oder "Sieg - Deutschland!" mitbekommen, so Kogler.

"Das war ein anständiger Klescher"
Die Atmosphäre sei aufgeheizt gewesen und die vier sollen zuvor bereits Ohrfeigen an andere Besucher verteilt haben. Die Situation eskalierte, als einer der Trikotträger seinerseits eine Ohrfeige kassierte und sich dann plötzlich gegnerische Gruppen formiert hätten. Der Grüne Abgeordnete meinte am Donnerstag, er sei mit anderen dazwischen gegangen, um eine Rauferei zu verhindern, und habe gesagt: "Jetzt hört's auf, außerdem habe ich gesehen, dass ihr angefangen habt." Daraufhin wären die vier mit den Worten "Schau, die Grünen sind auch da" an ihm vorbei zum Ausgang gegangen, und im nächsten Moment habe ihm jemand Bier ins Gesicht geschüttet: "Das war ein anständiger Klescher."

Kogler-Begleiter erlitt Jochbeinbruch
Einer seiner Begleiter, ein 37-jähriger Mitarbeiter der Grünen Steiermark, sei dem Quartett dann zum Ausgang gefolgt und nach etwa fünf bis zehn Minuten mit blutverschmiertem Kopf wieder zurückgekommen. Der Verletzte wurde dann von der Rettung ins Krankenhaus gebracht, er musste wegen eines Jochbeinbruchs operiert werden. Der mutmaßliche Angreifer wurde von der Polizei festgenommen.

"Das mit dem Bier" wolle er nicht überbewerten, aber immerhin sei ein Mensch verletzt worden, so Kogler. Seiner Ansicht nach sei die Sache ganz eindeutig auf Provokation angelegt gewesen, denn es hätten sich noch etliche andere in Deutschland-Trikots zu dem Quartett gesellt. Es habe so gewirkt, als würden diese beobachten, "ob sich die vier wohl trauen". Er habe später noch mit dem Veranstalter des Public Viewing gesprochen, auch die Kooperation mit der Polizei sei gut gewesen. "Es kann aber nicht im Sinne der Veranstaltung sein, dass dort Nazi-Parolen gegrölt werden", so Kogler.

Seitens der Exekutive hieß es, man werde abklären, ob sich die Verdächtigen in einem Netzwerk befänden.

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