16.12.2019 08:00 |

Spuren ins Nichts

Lebensretter trägt Unfallopfer Steilhang hinauf

Wer mit einem Fahrzeug von einer einsamen Bergstraße in den Abgrund stürzt und schwer verletzt in der eisigen Kälte liegen bleibt, braucht einen Schutzengel. Dieser eilte am Samstagabend in der Tiroler Kelchsau in Form der einzigen (!) Anrainerfamilie zu Hilfe. Reifenspuren auf der Fahrbahn waren entscheidend.

„Wir wollten gegen 18 Uhr noch auf Besuch fahren“, schildert Landwirt Dominik Schwab (25). Mit Freundin Viktoria und Tochter Madeleine war er vom Oberurschler Hof (Gemeinde Hopfgarten im Brixental) talwärts unterwegs, als ihm die schwachen Reifenspuren auffielen, die über den Fahrbahnrand hinausführten: „Ich bin den Hang hinabgestiegen und sah zuerst ein Kennzeichen daliegen. Da wusste ich, dass es sich um den Pick-up eines Jägers handelt, der ein Kollege von mir ist.“

Mit mulmigen Gefühl näherte er sich dem Wrack. „Auf mein Rufen gab es keine Reaktion, dann sah ich Blut.“ Unmittelbar darauf bemerkte er das abgestürzte Unfallopfer (28) vor dem Wagen liegend. „Er hat dann doch reagiert und gesagt, dass ihm zu kalt sei.“

Opfer über steilen Hang zur Straße getragen
Er packte seinen Freund und trug ihn mühsam zurück zur Straße, laut Polizei waren es 150 Meter. „Dort habe ich ihn in mein Auto gesetzt, damit er sich aufwärmen kann.“ Bald kamen die alarmierten Rettungskräfte, die Feuerwehr suchte den Unfallort wegen möglicher weiterer Insassen ab. Der 28-Jährige überstand den Absturz mit einigen Brüchen und Blessuren, sein Retter besuchte ihn im Krankenhaus Kufstein.

Abgelegener Weg ohne ständige Anrainer
Schwab will nicht als Held dastehen: „Da hätte wohl jeder geholfen.“ Klar ist: Nicht jeder hätte die Spuren richtig gedeutet und so effizient geholfen. Außer der Bauernfamilie und zwei oft leer stehenden Ferienhäusern gibt es keine Anrainer des Weges. Der Verunglückte wäre wohl erst im Zuge einer Vermisstenmeldung bzw. Suchaktion gefunden worden. Beim Unfalllenker, der zuvor am Berg bei einer Wildfütterung war, wurde eine Alkoholisierung festgestellt.

Andreas Moser
Andreas Moser
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